Kommentar Politik in Zeiten des Wahlkampfs

Samstag, 8. März, "Open-Space"-Konferenz in Baerl. Rund 100 Baerler sind gekommen. Jeder darf einen Vorschlag machen, worüber an diesem Tag diskutiert werden soll.

Die Rheinhauserin Margret Fink von der Wählergruppe "Deine Stimme" steht auf und schlägt vor, über die Abspaltung Baerls und Hombergs von Duisburg zu diskutieren. Leises Gelächter, keiner zeigt auf. Antrag abgelehnt. Man will ganz offenbar über Dinge diskutieren, die wirklich interessant und wichtig für Baerl sind.

Diese "Abstimmung" der Baerler lässt erahnen, wie die Bürger gestrickt sind. Viele Ältere erinnern sich vielleicht noch an die Zeit vor der Kommunalen Neuordnung 1975, viele mögen sich im Geiste auch enger mit Moers verbunden fühlen als mit Duisburg — aber so weit geht es dann doch nicht, dass man tatsächlich ernsthaft über eine Neuordnung der Neuordnung nachdenken möchte.

Es mag ja nachzuvollziehen sein, dass eine kleine und noch so junge Wählergemeinschaft wie "Deine Stimme" so kurz vor der Kommunalwahl alles daran setzt, Themen aufzugreifen, mit denen man Aufmerksamkeit erregen kann. Aber welches Argument haben CDU und FDP? Ernsthaft darum bemüht, mögliche Stimmungen und Wünsche in der Bevölkerung aufgreifen und vertreten zu wollen, sind sie es wohl kaum, wenn sie am nächsten Tag schon wieder behaupten, dass man ja eigentlich gar nicht an dem Thema selbst interessiert sei, ja es sogar blödsinnig finde. Und nur, um ein Zeichen zu setzen? Da gibt es sicherlich weniger populistische Möglichkeiten. skai

(RP)