Duisburg: Politik fordert Erhalt der Hofkonzerte

Duisburg: Politik fordert Erhalt der Hofkonzerte

Die Mitteilung der Stadtbibliothek, die beliebten Hofkonzerte in der Bezirksbibliothek Rheinhausen einstellen zu wollen, hat über die Osterfeiertage die Politik auf den Plan gerufen.

Die Mitteilung der Stadtbibliothek, die beliebten Hofkonzerte in der Bezirksbibliothek Rheinhausen einstellen zu wollen, hat über die Osterfeiertage die Politik auf den Plan gerufen.

Von kulturellem Kahlschlag ist da die Rede, von zerschlagenem Porzellan, von einer Entscheidung, die am Bürger und der Politik komplett vorbeigeht. Bezirkspolitiker reagieren verärgert und enttäuscht auf die Nachricht, dass die Hofkonzerte im vergangenen Jahr zum letzten Mal stattfanden.

"Erneut wird ,kalt' mitgeteilt, dass sich Rheinhausen von etwas Liebgewordenem zu verabschieden hat", beschwert sich Ferdi Seidelt, Chef der CDU-Fraktion in der Rheinhauser Bezirksvertretung. Er verstehe zwar die Argumente der neuen Leiterin der Bezirksbibliothek, Jutta Flaßhove, die gesagt hatte, dass sie es so kurzfristig – sie hat die Stelle erst seit dem 1. März – nicht mehr schaffe, die Hofkonzerte in diesem Jahr auf die Beine zu stellen, "doch das war es denn auch".

Für ihn seien "die personellen, finanziellen und rechtlichen Argumente arg konstruiert – hier soll was passend gemacht werden, was einigen Verantwortlichen in der Stadtspitze augenscheinlich nicht passt". Er schlägt einen Gesprächskreis vor mit dem Ziel, dass es schon im kommenden Jahr wieder Hofkonzerte geben wird. Seidelt: "Möglicherweise sind dabei auch neue Wege zu gehen. Denkbar wäre zum Beispiel die An- und Einbindung der Hofkonzerte an eine kulturelle Vereinigung des Bezirks."

Auch die SPD meldet sich zu Wort: "Hier wird etwas zerstört an bezirklicher Kultur, das über viele Jahre aufgebaut wurde und einen großen Anhängerkreis hat", sagt Reiner Friedrich, Vorsitzender des SPD-Bezirksverbandes. Er wirft Dr. Jan-Pieter Barbian, Direktor der Stadtbibliothek, vor, eine "einsame Entscheidung" getroffen zu haben, die "am Bürger, den Betroffenen und Engagierten vorbei" gehe. Friedrich hätte sich gewünscht, dass die Bibliotheksleitung Kommunalpolitiker oder anderweitig Engagierte angesprochen hätte. Dies "hätte sicher dazu geführt, dass sich Lösungswege aufgetan hätten", so Friedrich.

Er betont noch einmal, dass die Veranstaltungsreihe kostendeckend gewesen sei, die Stadt also keinen einzigen Euro gekostet habe. Friedrich fordert Barbian direkt auf, "hier nach anderen Möglichkeiten zu suchen". Die Bezirkspolitik werde bei der Lösungsfindung helfen.

"Mit mächtiger Wut" haben die Bürgerlich-Liberalen (BL) im Bezirk nach eigenen Worten das "klammheimlich verkündete Aus für die Hofkonzerte" zur Kenntnis genommen. "Hier wird ohne jede Not wertvolles kulturelles Porzellan zerschlagen", so Bezirksvertreter Karsten Vüllings.

Zum einen hätten die Hofkonzerte in keinster Weise den städtischen Haushalt belastet; zum anderen gebe es nach seinem Kenntnisstand in der Bezirksbibliothek genug hochmotivierte Mitarbeiter, die den von der Bibliotheksleitung ins Feld geführten personellen Engpass auf der Führungsebene zu kompensieren bereit wären und zudem ausreichend Erfahrung in Sachen Hofkonzerte mitbrächten.

Bezirksbibliothek – darunter habe man in Rheinhausen in den vergangenen Jahrzehnten unter den Büchereileitern Peter Lufen und Wolfgang Eilers auch immer verstanden, die Bürger für Kultur zu begeistern, so Vüllings. Und das sei, wie die stets ausverkauften Veranstaltungen eindrucksvoll belegten, auch bestens gelungen. "Diese Veranstaltungsreihe darf und wird nicht sang- und klanglos untergehen, dafür streitet hoffentlich die gesamte Bezirksvertretung Seite an Seite", so Vüllings.

(RP)