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Duisburg: Philharmonisches Mysterium

Duisburg : Philharmonisches Mysterium

Im jüngsten, zwölften Philharmonischen Konzert im Theater am Marientor (TaM) überzeugte der rumänische Dirigent Cristian Mandeal mit seiner Auffassung der Sinfonie Nr. 8 c-Moll von Anton Bruckner.

Philharmonie-Intendant Dr. Alfred Wendel erntete zunächst Buhrufe, als er vor dem jüngsten, zwölften und für diese Serie letzten Philharmonischen Konzert im Theater am Marientor (TaM) ankündigte, die Philharmonischen Konzerte müssten auch in der nächsten Saison in der Ausweichspielstätte stattfinden, "und wohl auch in der übernächsten". Die Reaktion wandelte sich aber schnell zu Beifall bei der Mitteilung, die Stadt Duisburg habe beschlossen, das TaM so lange nicht zu verkaufen, wie die Duisburger Philharmoniker es brauchen, weil die aus Brandschutzgründen geschlossene Mercatorhalle noch nicht wieder geöffnet ist. So lange im TaM so erstklassige Konzerte stattfinden, wird das Publikum den Philharmonikern sicherlich auch dort im "Exil" treu bleiben.

Jetzt dirigierte der rumänische Dirigent Cristian Mandeal die Sinfonie Nr. 8 c-Moll von Anton Bruckner, entstanden von 1884 bis 1887, in der gängigen zweiten Fassung, entstanden 1890. Das ist ein monumentales, fast anderthalbstündiges Werk in vier Sätzen, dem Kaiser Franz Joseph I. von Österreich gewidmet.

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Der Komponist versuchte sein Werk zunächst so zu erklären: "... wie klingt die achte? Im 1. Satze ist der Tromp. u(nd) Cornisatz aus dem Rhythmus des Thema: die Todesverkündigung, die immer sporadisch stärker endlich sehr stark auftritt, am Schluß die Ergebung. Scherzo: Hauptthema: deutscher Michel genannt, in der 2. Abtheilung will der Kerl schlafen, und träumerisch findet er sein Liedchen nicht; endlich klagend kehrt es selbes um. Finale. Unser Kaiser bekam damals den Besuch des Czaren in Olmütz, daher Streicher: Ritt der Kosaken; Blech: Militärmusik; Trompeten: Fanfare, wie sich die Majestäten begegnen. Schließlich alle Themen; (komisch), wie bei Tannhäuser im 2. Akt der König kommt, so als der deutsche Michel von seiner Reise kommt, ist alles schon im Glanz. Im Finale ist auch der Todtenmarsch und dann (Blech) Verklärung." Noch bekannter wurde die "Totenuhr" am Ende des ersten Satzes: "Dös is, wie wenn einer im Sterben liegt, und gegenüber hängt die Uhr, die während sein Leben zu Ende geht - immer gleichmäßig fortschlägt: tik, tak, tik, tak..." Die diversen Erklärungen Bruckners tragen jedoch eher zur Verwirrung bei, so dass er schließlich resignierend bekannte: "Meine Achte ist ein Mysterium."

Die Originalfassung und die Zweitfassung werden heutzutage als ungefähr gleichwertig angesehen. Es wurden nicht nur 164 Takte gekürzt, sondern auch andere Stellen so radikal verändert, insbesondere in der Instrumentierung, dass man – etwa beim Trio-Mittelteil im Scherzo – praktisch von einer Neukomposition sprechen kann.

Cristian Mandeal gilt als Bruckner-Experte, und tatsächlich gelang ihm zusammen mit den Duisburger Philharmonikern eine Aufführung auf höchstem Niveau. Die Klangfarben hoben sich kraftvoll voneinander ab, die Architektur der großen Bögen vermittelte sich überzeugend. Der erste Satz wirkte am Mittwoch noch etwas unruhig - dass die erwähnte "Totenuhr" immer langsamer wurde, war sogar schlicht falsch. Solche kleinere Ungenauigkeiten störten aber kaum den großartigen Eindruck des Ganzen.

(RP)