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Philharmonisches Konzert in Duisburg: Star-Tenor verzichtet auf opernhaftes Pathos

Philharmonisches Konzert in Duisburg : Star-Tenor verzichtet auf opernhaftes Pathos

Klaus Florian Vogt sang im Philharmonischen Konzert Schuberts „Winterreise“ in der freien Fassung für Tenor und kleines Orchester von Hans Zender. So ist es ihm gelungen.

Wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen durften das jüngste, sechste Philharmonische Konzert in Duisburg nur die Abonnentinnen und Abonnenten (sowie die Presse) besuchen. Die schlanke Besetzung auf der Bühne der Philharmonie Mercatorhalle, die Streicher fast solistisch, war aber nicht der Pandemie geschuldet, sondern vom Komponisten so vorgeschrieben. Doch der Reihe nach.

Aufgeführt wurde ein einziges anderthalbstündiges und pausenloses Werk, nämlich der Liederzyklus „Winterreise“ von dem vor 225 Jahren geborenen Franz Schubert in der „komponierten Interpretation“ für Tenor und kleines Orchester von dem großen Dirigenten, Komponisten und Musikessayisten Hans Zender (1936-2019), seine mit Abstand  meistgespielte Komposition.

Das ist weit mehr als eine Orchestrierung der ursprünglichen Klavierbegleitung, das ist eine vieles verdeutlichende freie Fassung. Es geht in erster Linie darum, die Wirkung der „Winterreise“ auf die spätere Musik von Gustav Mahler und der Moderne hörbar zu machen. In Schuberts Liederzyklus wandert ein liebes- und lebenskranker Mensch durch das eisige Klima der Restauration um 1810, in dem die Utopien von Freiheit und Demokratie ins Leere liefen. Zender verzerrt das zur Kenntlichkeit, mit geräuschhaften Klängen und stolpernden Rhythmen. Der Sänger versucht in der Nr. 1 „Gute Nacht“ noch, sich mit Verstärkung Gehör zu verschaffen, kämpft in der Nr. 18 „Der stürmische Morgen“ aber nur noch fragmentarisch gegen den Schneesturm an.

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Hans Zender schreckt auch vor dem plakativen Posthorn  der Nr. 13 „Die Post“ nicht zurück, das freilich bald in das unruhig klopfende Herz umgedeutet wird. Das kleine Orchester verwendet  düstere Klangfarben wie Altflöte, Englischhorn, Bassklarinette und Kontrafagott, außerdem „folkloristische“ wie Akkordeon und Gitarre. Einige Ausführende müssen neben ihren Hauptinstrumenten auch Melodica, tönende Holzbretter und Windmaschine spielen. Einige Bläser „wandern“ in bis zu zwei Fernorchester à la Mahler und manchmal auch im Publikum herum, wodurch Zender den Klangraum in den öffentlichen Raum bringt.           

Der prominente Solist war Klaus Florian Vogt. Zum Glück verzichtete der gefeierte Wagner-Tenor hier auf opernhaftes Pathos und setzte stattdessen sehr richtig auf klare Deklamation. Seine Intonation wirkte eher weich, blieb aber immer geschmackvoll. Er traf sehr genau den Ausdrucks-Punkt, Mitgefühl mit dem unverschuldet abstürzenden Wanderer zu vermitteln, ohne weinerlich zu werden. Generalmusikdirektor Axel Kober stellte als Dirigent den Duisburger Philharmonikern die dankbare Aufgabe, besonders differenziert und konzentriert zu agieren. Das kam sehr gut herüber, auch wenn nicht alle Klippen der Klangbalance umschifft werden konnten. Wie immer und überall seit der Frankfurter Uraufführung 1993, fand Zenders „komponierte Interpretation“ von Schuberts „Winterreise“ auch in Duisburg die warme Zustimmung des Publikums.    

Das nächste, siebte Philharmonische Konzert am 16. und 17. Februar, jeweils um 19.30 Uhr, hat eine slawische Färbung. Simon Trpceski aus Nordmazedonien ist der Solist im Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 F-Dur op. 102 des Russen Dmitri Schostakowitsch, der Gastdirigent Alpesh Chauhan rahmt mit der Sinfonietta des Tschechen Leos Janácek und Schostakowitschs Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 54. Karten gibt es am einfachsten per Mail an karten@theater-duisburg.de.