Philharmonisches Konzert: Gutes von Blacher und Sohn

Philharmonisches Konzert : Gutes von Blacher und Sohn

Kolja Blacher war in der Philharmonie Mercatorhalle sowohl Gastdirigent als auch Konzertmeister und Solist.

Die Namen der drei Komponisten auf dem Programm begannen alle mit B. Bedeutender erschien noch, dass von ihnen jeweils ein Spätwerk, ein Frühwerk und eines aus der mittleren Schaffensphase erklang. Kolja Blacher, bekannt geworden als Geiger und in der Saison 2014/15 Duisburgs „Artist in Residence“ (Gastkünstler, die RP berichtete) begann den Abend als Gastdirigent mit dem viersätzigen „Pentagramm“ für 16 Streichinstrumente, das war 1974 das letzte Werk seines Vaters Boris Blacher (1903-1975). Dieser war zu Lebzeiten einer der meistgespielten deutschen Komponisten.

Der Architekt Hans Scharoun hatte den Innenraum der in Kolja Blachers Geburtsjahr 1963 eröffneten Berliner Philharmonie die Form dreier ineinander verschachtelter Fünfecke (Pentagramme) zugrunde gelegt – weitere Assoziationen, mit denen dieses Symbol in Vergangenheit und Gegenwart belegt wurde, spielen beim Titel dieser Streicherkomposition dagegen kaum eine Rolle. Jedenfalls entpuppte sich die Entdeckung als Meisterwerk, mit perfekter Satztechnik und jazzigen Rhythmen. Der zweite, langsame Satz lässt Kolja Blacher an asiatische Steppen- und Taigalandschaften denken, vielleicht erinnerte sich sein Vater da an seine Jugend in der Mandschurei. Der letzte Satz ist ein ergreifender Abschied vom Leben (der Komponist litt bereits an Lungenkrebs). Die Streicher der Duisburger Philharmoniker glänzten hier mit duftiger Konzentration.

Das Werk seines Vaters leitete Kolja Blacher mit bloßen Händen und nicht durch ein Pult erhöht. Zur Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 (1801/02) von Ludwig van Beethoven wechselte er die Rolle und wurde Konzertmeister, nahm also Platz am ersten Pult der ersten Geigen. Er sorgte so für eine nicht nur stilsichere, sondern auch geschlossen lebhafte und pointierte Aufführung. Da fühlte sich das Orchester offenbar im besten Sinn gefordert. Wieder anders wurde es nach der Pause, da leitete Kolja Blacher als Solist das Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 (1878) von Johannes Brahms. Nun war es noch mehr als sonst die Aufgabe des Konzertmeisters Tonio Schibel, für Koordination zu sorgen. Das erfreuliche Ergebnis war eine gelassen aufgebaute und entspannt hingelegte, insgesamt erstklassige Aufführung. Das Brahms-Konzert ist ja auch besonders gut für dirigierende Solisten geeignet, da es in den Worten von Clara Schumann „ein Concert ist, wo sich das Orchester mit dem Spieler ganz und gar verschmilzt.“

Im nächsten Philharmonischen Konzert am 10. und 11. April, jeweils um 20 Uhr, geht es ähnlich weiter. Denn dann beleuchten der Gastdirigent Reinhard Goebel und die Geigerin Mirijam Contzen das musikhistorische Umfeld von Beethovens Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“. Tickets gibt es per Mail an karten@theater-duisburg.de.

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