Duisburg: Philharmonische Verbrüderung im TaM

Duisburg: Philharmonische Verbrüderung im TaM

Im jüngsten, vierten Philharmonischen Konzert im ausverkauften Theater am Marientor (TaM) begeisterte eine ebenso stilsichere wie kraftvolle Aufführung von Beethovens Neunter mit dem Philharmonischen Chor Duisburg.

Ausverkauft ist das Theater am Marientor (TaM) nur sehr selten. So war es aber jetzt beim jüngsten, vierten Philharmonischen Konzert, denn gegeben wurde Beethovens Neunte, pardon: die Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 mit Schlusschor über Schillers Ode "An die Freude" (1823/24) von Ludwig van Beethoven. Kein Wunder, denn das Werk mit der Botschaft "Alle Menschen werden Brüder" ist populär, zumindest in Teilen.

Die Sinfonie wird gerne zum Jahreswechsel aufgeführt und erklingt bei besonders festlichen Ereignissen. Schon 1982 nahm der Europarat das - instrumentale - "Freudenthema" als Hymne an. 1985 erklärten die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten dieses Thema zur offiziellen Hymne der Europäischen Union. Im Jahr 2001 wurde das Autograph von Beethovens Neunter sogar in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen - eine Ehre, die nur wenigen Komponistenhandschriften zuteil wird. Es ist der Choreinsatz "Freude, schöner Götterfunken", der wirklich unmittelbar mitreißt und in den Bann schlägt.

Hier gibt sich die Musik nämlich eben nicht kunstvoll oder gar gekünstelt. Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi krönte mit dieser ebenso stilsicheren wie kraftvollen Aufführung seine bisherigen Bemühungen um Beethovens Musik. Wie immer mit bloßen Händen, entlockte der Dirigent den Duisburger Philharmonikern ungeahnte Energien. Das blieb bei aller Monumentalität immer durchsichtig und präzise.

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Die ersten drei Sätze vor dem beliebten Finale haben ja sowohl für den Spieler als auch für den Hörer so ihre Tücken, diese wurden hier wunderbar umschifft. Der Philharmonische Chor Duisburg, einstudiert von Marcus Strümpe, wurde im TaM verstärkt durch den hochprofessionellen Chorus Musicus Köln, einstudiert von Christoph Spering.

Das Ergebnis überwältigte durch seine kompakte Kraft, formte ein kerniges Klang-Symbol für die Verbrüderung der Menschheit. Da bildeten die vorzüglichen Solisten Sylvia Hamvasi (Sopran), Elena Batoukova-Kerl (Mezzosopran), Torsten Kerl (Tenor) und John Lundgren (Bariton) eine perfekt passende klangliche Speersitze. Die Sopranistin von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg hatte in diesem Quartett die mit Abstand leichteste Stimme - das wurde aber mehr als ausgeglichen durch ihre märchenhaft schönen Töne und ihre besonders "geschwisterliche" Ausstrahlung.

Am Ende konnte es nur großen Jubel geben. Der Abend war ein weiterer Beweis, dass auch an der wenig geliebten Ausweichspielstätte philharmonische Sternstunden möglich sind, mit denen alle gleichermaßen zufrieden sind.

(hod)