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Duisburg: Philharmonische "Glocke"

Duisburg : Philharmonische "Glocke"

Im jüngsten, zweiten Philharmonischen Konzert im gut gefüllten Theater am Marientor gab es die romantische Kantate "Das Lied von der Glocke" nach Friedrich Schiller von Max Bruch. Es dirigierte Christoph Spering.

"Er zählt die Häupter seiner Lieben, / Und sieh! Ihm fehlt kein teures Haupt." Das ist ein Zitat aus dem "Lied von der Glocke" (1799) von Friedrich Schiller, und entsprechend zahlreich war auch das Publikum beim jüngsten, zweiten Philharmonischen Konzert im Theater am Marientor (TaM). Auf dem Programm stand die 1878 entstandene, sonst sehr selten zu erlebende romantische Vertonung des einstigen Lieblingsgedichts der Deutschen für Soli, Chor und Orchester op. 45 von Max Bruch.

 Dirigent Christoph Spering.
Dirigent Christoph Spering. Foto: hohl

Schillers "Glocke" vergleicht das Glockengießen mit den Stationen des menschlichen Lebens, mündet in den auch von Bruch betonten Appell "Friede sei ihr erst' Geläute". Darin folgt ein geflügeltes Wort auf das nächste, von "Fest gemauert in der Erden / Steht die Form, aus Lehm gebrannt" über "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, / Ob sich das Herz zum Herzen findet! / Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang" bis zu "Gefährlich ist's, den Leu zu wecken, / Verderblich ist des Tigers Zahn" (wobei diese Stelle weitergeht "Jedoch der schrecklichste der Schrecken, / Das ist der Mensch in seinem Wahn"). Max Bruch hat das ziemlich bildhaft vertont, etwa an der Stelle "Weiße Blasen seh' ich springen" oder mit einem bewussten Zitat von "Stille Nacht".

 Ingeborg Danz, Alt.
Ingeborg Danz, Alt. Foto: privat
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Christoph Spering als Gastdirigent nahm den "alten Schinken" ernst, ließ sogar die unfreiwillig komischen Passagen wie "Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau" oder den knalligen Marsch à la Giuseppe Verdi im zweiten Teil überzeugend herüberkommen. Er zeigte, dass Bruch ein Nachfolger von Felix Mendelssohn und Robert Schumann war, aber auch ein Zeitgenosse von Johannes Brahms und Richard Wagner.

Vorzügliche Philharmoniker

Sperings erstklassiger "Chorus Musicus Köln" unterstützte nicht nur den von Marcus Strümpe einstudierten "philharmonischen chor duisburg", was glänzend durch die verbesserte TaM-Akustik kam, sondern bildete auch den Kern der Aufführung, neben den vorzüglich agierenden Duisburger Philharmonikern. Was mitreißend und unmittelbar ansprechend an Bruchs "Glocke" ist, das erfreute auch in diesem Philharmonischen Konzert. Es blieb freilich nicht verborgen, dass diese Komposition offenbar ein paar kleine "Durchhänger" hat.

Ein besonderer Reiz des Abends bestand in den vier Gesangs-Solisten: Eva Mei (Sopran), Ingeborg Danz (Alt), Corby Welch (Tenor, von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg) und Yorck Felix Speer (Bass). Am anrührendsten wirkten die Alt-Soli wie "Ach! die Gattin ist's, die teure".

Am Ende war es im TaM aber nicht wie in der "Glocke" ("Alles rennet, rettet, flüchtet"), sondern alles war zufrieden.

(hod)