Duisburg: Philharmonisch verklärte Nacht

Duisburg : Philharmonisch verklärte Nacht

Im jüngsten, zehnten Philharmonischen Konzert in der Philharmonie Mercatorhalle erklangen Werke von Arnold Schönberg und Gustav Mahler, die zu ihrer Zeit umstritten waren, aber inzwischen längst zum Repertoire gehören.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren in Wien als einer der Tradition verpflichteten Stadt die Gegensätze und neuen Strömungen deutlich zu erkennen und boten reichlich Konfliktstoff. Dort wirkten die Komponisten Gustav Mahler und der 14 Jahre jüngere Arnold Schönberg zeitweise gleichzeitig. Beide ernteten für ihre Werke immer wieder Unverständnis, beide setzten sich immer wieder füreinander ein. Beide hatten unter antisemitischen Kampagnen zu leiden, die letztlich beide Musiker zum Verlassen Wiens zwangen.

Axel Kober, demnächst für zwei Spielzeiten Chefdirigent der Philharmoniker, ließ vor allem die Streicher der Duisburger Philharmoniker durchsichtig und klangsinnlich musizieren. Foto: susanne diesner (DOR)

Auch jetzt im jüngsten, zehnten Philharmonischen Konzerts in der Philharmonie Mercatorhalle erklang je ein Werk der beiden, dass zu seiner Zeit umstritten war, aber inzwischen längst zum Repertoire gehört. Gut, dass diese beiden Werke einmal im selben Konzert erklangen - was eigentlich naheliegt, aber selten geschieht. Das erste war Schönbergs halbstündiges Streichsextett d-Moll op. 4 "Verklärte Nacht" von 1899, das der Komponist 1917 - also vor jetzt 100 Jahren - für Streichorchester bearbeitete und 1943 noch einmal überarbeitete. Zugrunde liegt ein Gedicht von Richard Dehmel, der damals den "neuen Zeitgeist" verkörperte, brach er doch mit einigen gesellschaftlichen Tabus. Dehmels Gedicht schildert das Gespräch eines jungen Paares. Als die Frau bekennt, dass sie ein Kind von einem anderen erwartet, verspricht der Mann, das Kind als sein eigenes anzunehmen. In Schönbergs Komposition wird, wie es Leonard Bernstein einmal ausdrückte, "Wagner buchstäblich ,überwagnert'" - oder heutiger gesagt, es klingt wie "Tristan und Isolde" auf Speed.

Als Mahler 1902 die Proben zu "Verklärte Nacht" miterlebte, war er so begeistert, dass er Schönberg seit dieser Zeit rückhaltlos bewunderte und tatkräftig unterstützte. Klug also, im Philharmonischen Konzert darauf nach der Pause Mahlers ausladende Sinfonie Nr. 1 D-Dur folgen zu lassen, sein Durchbruchswerk von 1888, natürlich in der zweiten und endgültigen Fassung aus dem Jahr 1893.

Axel Kober, der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, ließ in seinem fünften Philharmonischen Konzert vor allem die Streicher der Duisburger Philharmoniker durchsichtig und klangsinnlich musizieren. Das war gut darin, komplexe Strukturen plastisch zu durchleuchten und sich zugleich einem weichen "Wiener Klang" anzunähern. Da gelang es fast immer, die Temporelationen und die rhetorischen Charaktere zu treffen. Wie berichtet, hat sich Kober bereit erklärt, bis zum Dienstantritt des neuen Duisburger GMDs im September 2019 als Chefdirigent des Orchesters jeweils drei Abonnementkonzerte pro Saison zu leiten.

Im nächsten, elften Philharmonischen Konzert am 17. und 18. Mai, jeweils um 20 Uhr, wird eine deutlich kleinere Besetzung auf der Bühne der Mercatorhalle sitzen, denn dann dirigiert der Alte-Musik-Spezialist Konrad Junghänel Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Christoph Willibald Gluck und Joseph Haydn. Alicja Smietana ist die Solistin in Mozarts Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur KV 219. Karten gibt es am einfachsten unter der Telefon-Nummer 0203 28362100.

(hod)
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