Duisburg: Philharmoniker mit und ohne Leine

Duisburg : Philharmoniker mit und ohne Leine

Im jüngsten, zwölften und somit für die Saison 2017/18 letzten Philharmonischen Konzert in der Philharmonie Mercatorhalle begeisterten die Gastdirigentin Ariane Matiakh und der noch jüngere Solist Frank Dupree.

Die drei Werke auf dem Programm hatten auf den ersten Blick nicht viel miteinander gemeinsam. Es zeigte sich aber, dass sie alle eine heitere Grundstimmung haben, jeweils mit tragischen Seitenwegen. Das begann gleich mit der Suite aus dem Ballett "Les animaux modèles" ("Die vorbildlichen Tiere", 1940-42) von Francis Poulenc. Bei der Premiere im besetzten Paris saßen im Publikum zahlreiche Wehrmachtsoffiziere samt Sekretärinnen, die nichts von den gewagten Anspielungen verstanden, etwa an das Freiheitslied "Non, non, vous n'auriez pas notre Alsace-Lorraine" ("Nein, nein, Ihr werdet unser Elsass-Lothringen nicht haben"), das bereits im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 und im Ersten Weltkrieg gesungen und nun erneut zum Symbol des Widerstands wurde. Die 1980 in Frankreich geborene Gastdirigentin Ariane Matiakh konnte hier den Duisburger Philharmonikern noch nicht so recht die Spannung und den Glanz dieser Musik vermitteln.

Das war dann ganz ähnlich bei dem jazzigen Konzert für Klavier und Orchester F-Dur (1925) von George Gershwin, das hier weitgehend oberflächlich vergröbert und auf Effekt getrimmt wurde, aber vor allem im bluesigen Mittelsatz zu wenig gesanglich wirkte. Das lag vor allem am Solisten, dem 1991 in Rastatt geborenen Frank Dupree, der sein Leib- und Magenwerk diesmal bis zum Anschlag ausfuhr, mit schier grenzenloser Spieltechnik und wildem Temperament. Er improvisierte sogar noch einige zusätzliche Töne, die nicht in den Noten stehen. Diese Interpretation wirkte so mitreißend, dass ein Teil des Publikums schon nach dem ersten der drei Sätze applaudierte. Endgültig aus dem Häuschen, mit einer an diesem Ort sonst selten so lautstarken Begeisterung, waren die Duisburger Zuhörer dann nach der Zugabe. Die war nämlich "richtiger" Jazz und ließ die Musiker vollends von der Leine - in der Mehrzahl, denn zu dem Pianisten kamen hier die beiden profilierten Philharmoniker Rafael Sars an allerlei skurrilem Schlagwerk und Max Dommers am Kontrabass. Nach der Pause ging es ganz "normal und zivilisiert" weiter mit der etwa einstündigen Sinfonie Nr. 6 A-Dur (1879-81) von Anton Bruckner. Im Verlauf des ersten Satzes gelangten die Duisburger Philharmoniker allmählich in den "Bruckner-Modus" und bewiesen wieder einmal, dass Sinfonien im Allgemeinen und von Bruckner im Besonderen zu ihrer Kernkompetenz zählen. Ariane Matiakh lieferte hier ihr Meisterstück ab, mit einer ebenso disziplinierten wie entspannten, insgesamt ziemlich klaren und stilsicheren Aufführung. Da hatten vor allem die Blechbläser ihre große Stunde.

Im nächsten, ersten Philharmonischen Konzert der neuen Saison 2018/19 am 19. und 20. September, jeweils um 20 Uhr, ist Harriet Krijgh die Solistin im ersten Cellokonzert von Camille Saint-Saens. Der gleichfalls niederländische Gastdirigent Jan Willem de Vriend (als letzter, zusätzlich hinzugenommener GMD-Kandidat) rahmt mit der "Haffner"-Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart und der ersten Sinfonie von Franz Schubert. Karten gibt es am einfachsten im Internet unter karten@theater-duisburg.de.

(hod)
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