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Duisburg: Philharmoniker lassen es krachen

Duisburg : Philharmoniker lassen es krachen

Die Duisburger Philharmoniker gaben zum dritten Mal ein erfolgreiches Stadtteilkonzert in der gut besuchten Rheinhausen-Halle. Auf dem Programm standen am Freitagabend populäre Werke für Orchester aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dem Publikum gefiel's.

Seit ein paar Jahren wollen die Duisburger Philharmoniker die Musik zu den Menschen bringen, vor allem in Form von Stadtteilkonzerten. Am Freitagabend war das Orchester zum dritten Mal erfolgreich zu Gast in der Rheinhausen-Halle. Oder wie es der moderierende Dirigent Martin Fratz ausdrückte, der sich wieder einmal als großer Kommunikator erwies: "Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg kommen."

Zu diesem Zweck war ein ebenso attraktives wie geschmackvolles Programm mit populären Werken aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angerichtet. Damals begann jedes Fest mit einer Polonaise. Der polnische Schreittanz hat ja wenig gemein mit dem, was man laut Martin Fratz hierzulande eher mit diesem Begriff verbindet: eine lange Reihe von angetrunkenen Menschen, die seltsame Lieder singen. So war die festliche Polonaise op. 49 von Anatoli Ljadow hier die perfekte Eröffnung.

In bester Besetzung

Mit dem Walzer "Wiener Blut" op. 354 und der "Tritsch-Tratsch-Polka" op. 214 von Johann Strauß Sohn wurde dann der Programmschwerpunkt "Tänze" klar — und dass die Duisburger Philharmoniker an diesem Abend in bester Besetzung angetreten waren.

Das setzte sich fort in der "Carmen"-Suite Nr. 1 von Georges Bizet. Sie enthält alle Vor- und Zwischenspiele aus dieser Oper sowie jene Seguidilla, welche die berühmteste Femme fatale der Musikgeschichte singt. Mangels Mezzosopran wird diese Partie in der Suite vom Englischhorn übernommen. Laut Martin Fratz kann man sich für diese instrumentale Carmen keine passendere Verkörperung vorstellen als Dalia El Guindi, die bei den Duisburger Philharmonikern meist für das tiefere Instrument der Oboenfamilie zuständig ist. Und er hatte nicht zu viel versprochen: Ihre Zaubertöne wirkten wieder einmal unwiderstehlich.

Aber ein Sinfonieorchester kann es eben auch lustvoll krachen lassen, nach der Pause wieder in vier der Slawischen Tänze op. 46 von Antonín Dvorák. Die professionelle Präzision der Duisburger Philharmoniker ließ in Rheinhausen nicht nach. Wie gut, dass man von Edvard Grieg nicht den üblichen "Peer Gynt" gewählt hatte, sondern jene drei mindestens ebenso reizvollen Orchesterstücke aus "Sigurd Jorsalfar", deren Popularität inzwischen etwas nachgelassen hat. Dabei ist das einfach ein unsterbliches Meisterwerk, vor allem der abschließende Huldigungsmarsch, wie eine kleine sinfonische Dichtung.

So gewinnt man Freunde. Das Publikum konnte Martin Fratz nur zustimmen, als dieser meinte: "Wer seine Hand an dieses Orchester legt, dem soll sie abfallen."

(hod)