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255.000 Menschen in Duisburg versorgt: PFT: Trinkwasser mit Schadstoffen belastet

255.000 Menschen in Duisburg versorgt : PFT: Trinkwasser mit Schadstoffen belastet

Trinkwasserkontrollen an der Quelle Kaiserswerth ergaben, dass das Wasser mit Perfluorierenden Tensiden (PFT) verseucht ist. PFT gelten als krebserregend. Die Stadtwerke beruhigen: Es bestehe kein Grund zur Besorgnis.

Angesichts der zahlreichen Lebensmittelskandale der jüngsten Zeit konnte man schon einmal darüber ins Grübeln kommen, was man überhaupt noch zu sich nehmen kann. Erst im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass auf Höfen im Duisburger Norden mit Dioxin belastete Eier produziert wurden, bundesweit war der sogenannte "Gammelfleischskandal" in den Medien und der krebserregende Stoff Acrylamid nahm einem den Spaß an frittierten Speisen. Nun wurde bekannt, dass das Trinkwasser der Quelle Kaiserswerth, aus der nach Vermischung mit sauberem Wasser aus zwei anderen Quellen rund 255.000 Menschen in Duisburg versorgt werden, mit Perfluorierenden Tensiden (PFT) verseucht ist.

PFT kann nicht abgebaut werden

Bei PFT handelt es sich um synthetisch hergestellte, langlebige organische Chemikalien, die in der Natur nicht vorkommen. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. "Das Problem an PFT ist, dass sie sich über Jahre im Körper anlagern und nicht abgebaut werden können", so Frank Seidlitz, Pressesprecher des NRW-Umweltministeriums. "Wie schädlich diese Belastung jedoch ist, müssen die Wissenschaftler klären."

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Als Hauptgrund für die Trinkwasserbelastung hat das Umweltministerium den Düsseldorfer Flughafen ausgemacht. "Wir vermuten, dass es sich bei den PFT, die derzeit im Wasser gefunden werden, um Altlasten handelt", sagte Seidlitz. "1996 gab es einen Brand am Flughafen, bei dem Löschmittel eingesetzt wurden, die diese Stoffe enthalten." Die Duisburger Stadtwerke, die die Wasserwerke im Düsseldorfer Norden betreiben, baten gestern um eine sachliche Bewertung der Lage. Ihnen sei bekannt, dass das Wasser besagter Quelle in Kaiserswerth eine erhöhte PFT-Belastung aufweise, erklärte Stadtwerkesprecher Thomas Nordiek gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Es bestehe aber kein Grund zur Beunruhigung. "Das Wasser aus Kaiserswerth wird mit dem aus zwei weiteren Quellen vermischt", so Nordiek. "Damit wird der erhöhte Wert schon deutlich gedrückt. Den Rest erledigen unsere Filteranlagen." Beim Verbraucher komme also kein verunreinigtes Wasser an.

Bürger können sich darauf verlassen

"Mit unseren regulären Gewinnungs- und Aufbereitungsverfahren für Trinkwasser sind wir in der Lage, PFT-Rückstände in der derzeitigen Zusammensetzung effektiv zurückzuhalten", ergänzte Thomas Oertel, Leiter Wassergewinnung bei den Stadtwerken am Nachmittag. Auch Christof Schifferings, Vorstandsmitglied des Konzerns, ist sich sicher: "Die Duisburger Bürger können sich darauf verlassen, dass wir ihnen nur Wasser zur Verfügung stellen, das ohne Bedenken und ohne jede Einschränkung genutzt werden kann."

Das Landesumweltministerium will die deutliche Überschreitung der PFT-Grenzwerte trotz des erfolgreichen Filterungsverfahrens nicht weiter hinnehmen. Deshalb wurde in Düsseldorf-Gerresheim ein spezieller auf Aktivkohle basierender Grundwasserfilter eingerichtet, der dafür sorgen soll, dass das Wasser bereits bei seiner Förderung unbelastet ist. Die Kosten dafür will das Land aber nur teilweise übernehmen. Landesumweltminister Jürgen Remmel sagte, dass man die möglichen Verursacher möglichst bald an den Ausgaben beteiligen wolle.

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(RP)