Duisburg: "Peter Grimes": Die Welle ist wieder da

Duisburg: "Peter Grimes": Die Welle ist wieder da

Die Deutsche Oper am Rhein nahm im Duisburger Haus die Oper "Peter Grimes" wieder auf.

Es dürfte sich längst herumgesprochen haben, dass das Bühnenbild dieser Inszenierung eine Welle ist. Das Meer erscheint in "Peter Grimes" (1945), der meistgespielten Oper von dem vor 100 Jahren geborenen Benjamin Britten, als eine Metapher für die existenzielle Bedrohung. So lässt der Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer im Verlauf der drei Akte allmählich eine Welle aus alten Türen und Fensterläden über die Szene hereinbrechen, auch als Symbol für die Flut der vernichtenden Gerüchte. Dieses Bühnenbild war 2010 für den Deutschen Theaterpreis "Faust" nominiert, den es dann aber nicht bekommen hat.

Schauplatz der Oper ist ein kleines englisches Fischerdorf. Das Leben hier ist hart und wenig abwechslungsreich. Der Prozess gegen den Fischer Peter Grimes, der am Tod seines Lehrjungen schuld sein soll, bedeutet da schon eine Sensation. Dass die Beweislage nicht ausreicht, um den wortkargen und raubeinigen Mitbürger zu verurteilen, führt zu einer Welle von Gerüchten und Verdächtigungen, die sich zu einer Hetzjagd ausweitet. Am Ende wissen auch die wenigen noch verbliebenen Freunde nur einen Rat: Grimes muss sich selbst eliminieren, damit die biederen Kleinstädter wieder zur Ruhe kommen.

Die grandiose Inszenierung von Immo Karaman mit ihrer Schwarz-Weiß-Ästhetik des "film noir" wirkt mit jeder weiteren Aufführung immer intensiver. Dem Chor als großartige graue Masse gegenüber stehen die seelisch nackten Protagonisten. Der Nebel, der Sturm und die alles durchdringende Angst werden geradezu sinnlich erfahrbar.

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Jetzt nahm die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg also diese Produktion in ihrem Duisburger Haus wieder auf. Die Besetzung ist fast ganz neu – und durchweg erstklassig. Allen voran Corby Welch, der die mörderische Peter-Pears-Partie der Titelfigur nicht nur meisterte, sondern sich auch ganz zu eigen machte. Er gab den Grimes als sensiblen Außenseiter, der sich hinter seiner bulligen Schale verschanzt. Jeder seiner Tenor-Töne wirkt wie dem Leiden abgerungen und dennoch jederzeit auf dem musikalischen Punkt. Gleichfalls sehr gut: Sylvia Hamvasi (Sopran) als personifiziertes Mitgefühl, die Lehrerin Ellen Orford, die Peter Grimes helfen will und damit scheitert, und Tomasz Konieczny (Bass) als ebenfalls verständnisvoller Kapitän Balstrode.

Dies ist eine jener Opern, bei deren Besprechung man den Chor unbedingt erwähnen muss. Einstudiert von Gerhard Michalski, singt und spielt sich der Chor der Rheinoper in "Peter Grimes" als verstörte Dorfgemeinschaft die Seele aus dem Leib, im fließenden Übergang zu den kleineren Solopartien. Auch die Duisburger Philharmoniker haben hörbar Freude an dieser Musik. Auch das ein Verdienst des wieder einmal ebenso präzisen wie inspirierenden Rheinopern-Dirigenten Wen-Pin Chien, nicht nur in den fünf orchestralen Zwischenspielen und in der zentralen Passacaglia.

(hod)