Duisburg: Per Fahrrad auf der Sehnsuchtsroute

Duisburg : Per Fahrrad auf der Sehnsuchtsroute

Jan Lange startet zu einer 10. 000-Kilometer-Radtour entlang der Panamericana. Der Buchholzer nutzt die Zeit auch, um über sein weiteres Leben nachzudenken.

Die Panamericana: Eine Sehnsuchtsroute für viele. Die transkontinentale Piste, die Feuerland mit Alaska verbindet, ist ab Anfang Februar das Ziel von Jan Lange. In Panama startet der 31-Jährige Richtung Norden. Als Ziel hat er die kanadische Grenze ins Auge gefasst. Insgesamt rund 10 000 Kilometer. Ende offen. "Mal sehen, wie weit ich komme", sagt der Buchholzer.

So langsam steigt die Anspannung. Viele letzte Dinge gilt's zu regeln, bevor der Flieger abhebt. Zum letzten Mal zum Fahrradhändler, um noch Ausrüstungsgegenstände zu besorgen, zum letzten Mal zum Arbeitsplatz, um den Schreibtisch auszuräumen. Der Wirtschaftsinformatiker hat einen Schnitt gemacht, den Job und die Wohnung gekündigt für den Trip, der Abenteuer und auch eine Reise zu sich selbst sein. "In Ruhe nachdenken darüber, wie es weitergeht", sagt Lange, weil's jetzt, da er weder feste Bindungen, noch familiäre Verpflichtungen hat, vielleicht auch die vorerst letzte Chance ist für eine solche Nummer. Mit dem Plan befasst er sich schon lange. Dass es eine Radreise wird, steht fest, seit er den Bericht eines Radlers las, der von Deutschland nach Vietnam strampelte. "Da hatte ich gerade auch das Radfahren als Ausdauersport für mich entdeckt. So eine Strecke zu Radeln ist zwar Neuland für mich, aber genau das, was ich mir vorstelle: mich aus eigener Kraft fortzubewegen, nicht an den Dingen vorbeizurasen." Auf eine Tagesleistung von 40 bis 50 Kilometer will er es am Anfang bringen und dann steigern auf die doppelte Distanz.

Abhängig ist das auch von der Strecke. Berge werden ständiger Begleiter sein, deshalb wählte Jan Lange auch den Norden als Fahrtrichtung. "Richtung Süden wäre es sehr schnell ins Hochgebirge gegangen, außerdem ist die Straße in Kolumbien durch ein Sumpfgebiet unterbrochen." Nichts für ein Reiserad, das mit Gepäck über 50 Kilo auf die Waage bringt. Große Satteltaschen hinten, zwei kleinere Packtaschen an der Gabel, eine für Karte und Wertsachen hängt am Lenker. "Ich hab' mal zur Probe gepackt, da waren es 33 Kilo", berichtet er. Unwichtiges weglassen, nichts Wichtiges vergessen - das sei die Kunst. Ein leichtes Zelt, Schlafsack, eine Iso-Matte sind dabei. Viel Volumen und Gewicht, aber Utensilien für die günstigste aller Übernachtungsmöglichkeiten. "Weil mein Geld so lange, wie es geht, reichen soll, will ich möglichst campen, auch Couch-Surfing ist eine Option", sagt der Buchholzer. Doch nicht zuletzt wird das eine Frage der Möglichkeiten und auch der Sicherheit für Mann und Rad sein. "Fahrradklau, das wäre natürlich ein Alptraum." Am Rahmen drei Wasserflaschen für schweißtreibende Tage: Allein durch Panama, Costa Rica, Honduras, El Salvador, Guatemala und Mexiko sind es 6000 Kilometer.

Schläuche, einen 27,5-Zoll-Reifen, eine Kette - sind als Ersatzteile mit an Bord. Ansonsten muss repariert oder unterwegs gekauft werden. "Alles kann ich nicht mitnehmen, ich hoffe, es ist das Richtige", sagt der Buchholzer. Dann kann's bis Kanada gehen, vielleicht auch weiter, vielleicht ist vorher Schluss. "Ich lege mich nicht fest", sagt Jan Lange. Im Juni heiratet ein guter Freund, da wäre er gern dabei. "Vielleicht passt das, er hat es sich gewünscht", sagt Jan Lange.

(RP)
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