Duisburg: Packende Kammeroper "Flut" von Jugendlichen

Duisburg: Packende Kammeroper "Flut" von Jugendlichen

Was wäre, wenn die Rhein-Ruhr-Region durch den Klimawandel überschwemmt und unser Lebensraum zerstört würde? "Flut" erzählt, wie Menschen mit dieser Ausnahmesituation umgehen und sich anderen gegenüber verhalten können - insbesondere eine Familie, aber auch ein Kapitän, der aus der Notlage von Flüchtlingen Kapital schlagen will. Jetzt wurde die packende Kammeroper im Duisburger Theater uraufgeführt, das Publikum saß dabei mit auf der Bühne.

Das Besondere am jüngsten Projekt der Education-Abteilung der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg ist, dass dieses Werk in einem Jahr Arbeit von den "Opernmachern" geschaffen wurde, das sind mehr als 20 junge Menschen im Alter von elf bis 17 Jahren. Natürlich hatten sie dabei professionelle Anleitung, nämlich von Sascha Pranschke (Librettowerkstatt), David Graham (Kompositionswerkstatt) und Volker Böhm (Regiewerkstatt). Die künstlerischen Entscheidungen trafen die Opernmacher aber letztlich selbst.

Jeder Komponist bekam mindestens eine der 14 Szenen zur Vertonung. Das Ergebnis ist sehr vielfältig, reicht musikalisch vom schlichten Akkordeon-Walzer bis zum Katastrophen-Chaos, trifft aber fast immer den Nagel des Bühnen-Geschehens auf den Kopf. Dass man diese 70-minütige "Flut" ganz ernst nehmen und professionell beurteilen kann, liegt auch an der ebenso liebevollen wie an die Nieren gehenden Aufführung durch vier junge Profisänger aus dem Opernstudio der Rheinoper, elf Jugendliche aus dem (wie immer von Sabina López Miguez minuziös vorbereiteten) Kinderchor am Rhein und neun Musikern des "notabu.ensemble neue musik" unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut.

Allen voran Dimitra Kotidou als verwöhnte Tochter Ophelia, die zunächst Sätze singen muss wie "Kerzen sind ja sowas von vorsintflutlich" oder "Ach du meine Fresse, wo bin ich denn hier gelandet", dann aber Mitgefühl lernt, weil sie sich um die kleine Tochter ihres tödlich verunglückten Begleiters Luka kümmern muss.

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Sehr eindrucksvoll wirken auch Monika Rydz als Mutter und Maschinistin sowie Benjamin Pop als Kapitän, dessen Verzweiflung über den Tod seiner eigenen Familie in der Flut die Ursache ist für seine Verachtung gegen alle Menschen, die noch leben.

Wer die "Flut" verpasst hat: Es gibt noch zwei weitere Aufführungen, am Mittwoch, 20. Dezember, um 19 Uhr, und am Donnerstag, 21. Dezember, um 11 Uhr, in den Kammerspielen des FFT Düsseldorf.

(hod)