Orkan "Friederike" in Duisburg: Rettungskräfte im Dauereinsatz

Duisburg : Rettungskräfte im Dauereinsatz

Das Orkantief Friederike ist gestern mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h über Duisburg hinweggefegt. Unzählige Bäume wurden entwurzelt, der Bahnverkehr kam zum Erliegen. Die Feuerwehr zählte über 500 Einsätze.

Umherfliegende Äste, Sirenengeheul und ein stadtweiter Katastrophenalarm - Orkantief Friederike hat gestern die Duisburger Einsatzkräfte in Atem gehalten. Die Berufsfeuerwehr und 220 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr kämpfen mitunter zeitgleich bei mehreren Hundert Einsätzen gegen die Auswirkungen des Sturms. Orkanböen von bis zu 130 Stundenkilometern hatten überall in der Stadt Bäume zu Fall gebracht. Vor allem der Westen der Stadt wurde schwer getroffen. Am späten Vormittag trat der Krisenstab zusammen, es wurde ein stadtweiter Katastrophenalarm ausgelöst, um die Bevölkerung davor zu warnen, vor die Türe zu treten. Die Entwarnung erfolgte gegen 15 Uhr mit einem weiteren Sirenensignal.

Überall im Stadtgebiet kam es wetterbedingt zu Verkehrsunfällen. Am Silberpalais in der Stadtmitte zum Beispiel war ein Autofahrer in seinem Wagen eingeschlossen, weil ein großer Ast auf das Fahrzeug gestürzt war. Der Mann blieb unverletzt. Auf der A59 wurde am Mittag in Höhe der Berliner Brücke ein Lkw umgeweht. Die Autobahn wurde danach in Fahrtrichtung Dinslaken voll gesperrt. Das sorgte für ein Verkehrschaos im gesamten Innenstadtbereich. Die Bergungsarbeiten dauerten bis in den Nachmittag an. Besonders viel Pech hatten Autofahrer Am Kreuzacker in Rheinhausen. Dort begrub ein umgestürzter Baum gleich drei Fahrzeuge unter sich. Verletzt wurde dabei zum Glück niemand. Auch bei den Duisburger Verkehrsbetrieben herrschte Ausnahmezustand. Auf nahezu allen Linien kam es durch umgestürzte Bäume zu Verkehrsbehinderungen, mehrere Bahnlinien konnten über Stunden überhaupt nicht bedient werden. Der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen wurde gegen 11 Uhr komplett eingestellt, auch in Duisburg saßen bis zum Abend viele Pendler am Bahnhof fest. Die Deutsche Bahn sperrte die Bahnsteige und und bat ihre Kunden darum, im Personentunnel des Hauptbahnhofs auf weitere Anweisungen zu warten. Die Gestrandeten waren vor allem von der Informationspolitik der Bahn genervt: "Für den Sturm können die ja nichts, aber es wäre doch schön zu wissen, wie es jetzt für uns weitergeht", sagte zum Beispiel Ulli Dollinger, der in den vergangenen drei Tagen beruflich in Duisburg unterwegs war. Die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs ist für heute Vormittag geplant. Die Duisburger Schulen hatten sich schon am Tag zuvor auf das Schlimmste vorbereitet. Bereits am Mittwochabend war es den Eltern freigestellt worden, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Unterricht fand nach Informationen der Stadt gestern aber nicht statt. Es seien überhaupt nur wenige Schüler in den Schulen angekommen, erklärte Stadtsprecherin Gabi Priem.

Einen Schreckmoment erlebte die Belegschaft der Grundschule an der Heisterbacher Straße in Beeckerwerth. Gegen 14 Uhr wurde das Flachdach des Hauptgebäudes von einer Böe erfasst, angehoben und in Teilen auf den Schulhof geweht. Verletzt wurde niemand. Da zur Entfernung der Trümmer jedoch schweres Gerät erforderlich ist, wurde der Unterricht für heute vorsorglich abgesagt.

Der Duisburger Zoo hielt seine Tore gestern für Besucher geschlossen. "Die Tiere sind - soweit möglich - in den Stallungen", erläuterte Zoo-Sprecher Volker Grün die Lage. Vor allem die gefährlichen Tiere, wie beispielsweise die Tiger, seien eingeschlossen worden. Zu groß sei die Gefahr, dass durch herunterfallende Äste Gehege-Umzäunungen beschädigt würden.

Kleines Schild, große Wirkung. Durch dieses durch Wind umgeknickte Verkehrsschild kam es zu einem langen Stau in Richtung Kasslerfeld. Foto: crei

Orkantief Friederike brachte darüber hinaus den Betrieb diverser öffentlicher Einrichtungen zum Erliegen. Die Friedhöfe in der Stadt wurden geschlossen. Für gestern angesetzte Beisetzungen mussten abgesagt und verschoben werden. Außerdem waren die von den Wirtschaftsbetrieben geführten Recyclinghöfe über Stunden für die Kunden nicht erreichbar.

Den Duisburger Westen traf es gestern besonders hart. Diese Aufnahme entstand in Homberg. Foto: seeman

Welche Schäden der Sturm in den Duisburger Wäldern angerichtet hat, war für die Behörden bis gestern Abend noch nicht abzusehen. Deshalb sprach die Stadt bis auf Weiteres ein Betretungsverbot für die Stadtwälder aus.

(RP)