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Duisburg: "Ohne Klinkenputzen geht es nicht"

Duisburg : "Ohne Klinkenputzen geht es nicht"

Hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung sowie der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Armin Laschet, diskutierten im Museum Küppersmühle vor einem großen Publikum die Frage: "Kann Wirtschaft Kunst?".

Ein bloßer Neujahrsempfang, bei dem sich Honoratioren in gepflegter Umgebung bei einem Glas Sekt treffen und miteinander plaudern, war Walter Smerling, Direktor des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst, zu wenig. Dem Empfang, zu dem Prominente ebenso geladen waren wie "ganz normale Kunstfreunde", folgte deshalb eine Podiumsdiskussion, die unter dem Frage-Motto stand: "Kann Wirtschaft Kunst?" Auf dem Podium saßen neben Smerling: Armin Laschet, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion NRW, Dr. Stephan Muschick, Geschäftsführer RWE-Stiftung für Energie und Gesellschaft, Prof. Dr. Thomas A. Lange, Vorstandsvorsitzender der National-Bank AG, und Lars Martin Klieve, Kämmerer der Stadt Essen. Moderiert wurde die Diskussion vom Journalisten Thomas Hüser, der sich gut vorbereitet hatte.

Vor vier Monaten sei, so Smerling, die Diskussion geplant worden. Damals habe man noch nicht ahnen können, dass das Thema eine aktuelle Brisanz haben werde, nämlich durch den Plan vom WestLB-Nachfolger Portigon, seine Kunstwerke zu verkaufen. Dieser Plan sei ein "No-Go", sagte Smerling, und schnell stellte sich heraus, dass alle Diskutanten solche Verkaufspläne vehement ablehnen.

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Am schärfsten formulierte pikanterweise ein Banker seinen Widerspruch. Nationalbank-Chef Prof. Lange sagte, dass die Verkaufspläne "eine Instinktlosigkeit ohnegleichen ist, die dem Image des ganzen Landes schwer schadet". Am Ende der Diskussion deutete Lange an, dass sich möglicherweise auch die freie Wirtschaft dafür einsetzen könnte, dass die Portigon-Werke weiterhin in nordrhein-westfälischen Museen ausgestellt bleiben. Mehr wollte er aber nicht verraten. Die entsprechenden Gespräche müssten "hinter verschlossenen Türen" geführt werden, so Lange.

Auch Armin Laschet bezog eindeutig Position. Er vertrat in der Diskussion die Auffassung, dass Portigon die Kunstwerke nicht verkaufen dürfe, weil diese nicht zum eigentlichen Kapital (er sprach von "Asset") der Bank gehören. Die WestLB habe mit den Kunstkäufen die Kultur fördern wollen, der Nachfolger Portigon dürfe da nicht das Gegenteil machen. Portigon gehöre dem Land. Deshalb hätten letztlich die Steuerzahler die Kunstwerke bezahlt und nicht eine Privatbank.

RWE-Chef Muschick versuchte klarzumachen, weshalb die Wirtschaft Kunst fördern soll. Abgesehen von einer möglichen Imageaufwertung und einem selbstverständlichen gesellschaftlichen Engagement könne die Wirtschaft vom Kontakt mit Kunst und der Kreativität der Künstler viel lernen, sagte er. Natürlich könnten manchmal auch die Künstler von der Wirtschaft lernen, fügte er hinzu. Muschick sagte aber auch klar, was die Wirtschaft nicht sein möchte, nämlich "Ausfallbürge" für die öffentliche Hand. "Kultur ist eine hoheitliche Aufgabe, die nicht an die Wirtschaft abgetreten werden darf", so der RWE-Geschäftsführer.

Es sei nicht zu akzeptieren, wenn eine Kommune eingeplante Kulturzuschüsse zurückhält, wenn ein Sponsor ein Museum oder eine andere Kultureinrichtung fördert. Das sei vorgekommen - "und das ist tödlich", so Muschick.

Der Essener Kämmerer Lars Martin Klieve fachte die Diskussion mit einem "großen Dementi" an. Die Stadt Essen habe keineswegs vor, die Werke des Folkwang-Museums zu verkaufen, wie öffentlich geargwöhnt worden sei. Vielmehr sei nur der Vermögenswert bewertet worden, genauso wie die Vermögenswerte der Radwege oder Tunnel der Stadt bewertet worden seien. Die Folkwang-Arbeiten dürfe die Stadt auch gar nicht verkaufen. Das widerspreche bestehenden Verträgen aus dem Jahr 1922.

Der ehemalige Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff traut dem nicht. Irgendwann, so der CDU-Kulturpolitiker, könne NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) vielleicht doch auf die Idee kommen, den Folkwang-Kunstschatz zu verkaufen.

Erst am Schluss der Diskussionsrunde kam man auf das Museum Küppersmühle zu sprechen, in dem in den vergangenen knapp 16 Jahren 68 Ausstellung meist mit Geldgaben aus der freien Wirtschaft realisiert worden sind. "Wie kommen Sie an das Geld?", fragte Moderator Thomas Hüser den MKM-Direktor Walter Smerling.

Der antwortete, dass die "Kraft der Kunst und der Künstler" entscheidend" sei. Etwas direkter und volkstümlicher wurde Smerling aber doch noch. Ohne Klinkenputzen gehe es nicht. "Wenn ich nach Fördermitteln frage, höre ich als Antwort wahrscheinlich,nein'; wenn ich aber nicht frage, höre ich gar nichts."

Im Publikum saßen übrigens die prominenten Maler Markus Lüpertz und Abraham David Christian. Auch der gegenwärtige Duisburger Kulturdezernent Thomas Krützberg und sein Vorgänger Karl Janssen, der nun als selbstständiger Berater in Münster lebt, waren dabei.

(RP)