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Duisburg: Ohne Bahnen gibt es verstopfte Straßen

Duisburg : Ohne Bahnen gibt es verstopfte Straßen

DVG-Vorstand Klaus-Peter Wandelenus ist ein Freund von Straßenbahnen. Den Ausbau der Strecke von Meiderich nach Hamborn will er auf jeden Fall vorantreiben.

Eigentlich sollte die U-Bahn mal bis nach Hamborn fahren. Solche Gedankenspiele gab es — vor drei oder vier Jahrzehnten. Es blieb bei den unbezahlbaren Träumen. In der heutigen Situation, in der sich neben Duisburg auch andere Ruhrgebietsstädte mit unterirdischem Straßenbahnverkehr befinden, werden immer wieder Stimmen laut, die Röhren zuzukippen und wieder auf die Straße zurückzukehren. Klaus-Peter Wandelenus kann über solche Gedankenspiele nur den Kopf schütteln. "Die Leute machen sich kein Bild davon, wie viele Fahrgäste in eine Straßenbahn passen. Hätten wir die nicht, müssten wir ein Zigfaches an Bussen einsetzen, die die Straßen verstopfen und für Staus sorgen."

Der Chef der DVG hält es darum auch für unverzichtbar, immer wieder in den Bahnbetrieb zu investieren. Zum Beispiel in Meiderich: Bis dorthin und nicht weiter können heute die Fahrzeuge auf der Straßenbahnlinie U 79 fahren. Danach folgt ein etwa drei Kilometer langes oberirdische Straßenstück, das für die B-Wagen zu schmal ist. Etwa hinterm Landschaftspark in Richtung Dinslaken ist das wieder anders. Für den Lückenschluss müsste die Straßenbahn zwischen Meiderich Bahnhof und Landschaftspark ein eigenes Gleisbett erhalten. 15 Millionen Euro werden dafür benötigt. "Ich glaube, das wird gemacht", sagt Wandelenus, ohne einen Zeitraum zu nennen. Denn wolle der Nahverkehr attraktiv bleiben beziehungsweise noch attraktiver werden, dann gelinge das mit solchen Investitionen.

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"Wir können uns nicht mit Großstädten wie Hamburg, München oder Berlin vergleichen, wo Busse und Bahnen in viel kürzeren Abständen fahren", sagt der DVG-Chef, zugleich Vorsitzender von VIA, zu dem Zusammenschluss der Verkehrsbetriebe aus Mülheim, Duisburg und Essen. "Aber wir versuchen, in den Hauptverkehrszeiten mehr Fahrzeuge im Einsatz zu haben." Das aber verursache Kosten, die die DVG kaum stemmen könne. Die Folge: Vor allem auf der Linie 903 vom Duisburger Süden nach Dinslaken hagelt es Proteste von Fahrgästen über überfüllte und zu wenige Bahnen.

Aufmerksam verfolgt Wandelenus in diesen Tagen die Diskussionen in der Mülheimer Politik, die den Eindruck erwecken, dass sich die Nachbarstadt ganz vom schienengebundenen Nahverkehr trennen könnte. "Im Dezember wird der dortige Stadtrat sein Nahverkehrskonzept beschließen. Dann sehen wir weiter." Fakt sei, so Wandelenus, dass die Mülheimer dringend in ihre Schienenfahrzeuge investieren müssen. Gerade erst hätten sie zehn neue Straßenbahnen bestellt, weitere seien notwendig, aber die Politik habe offenbar Sorge wegen der hohen Kosten. "Doch selbst wenn die Mülheimer ihre Bahnen abschaffen würden, gäbe es für die Bahnen Verwendung", so Wandelenus. Die Essener Verkehrsbetriebe hätten beispielsweise schon signalisiert, dass sie den Nachbarn die Fahrzeuge abnehmen würden. Wandelenus hielte allerdings den Abschied von der Schiene in Mülheim für einen Fehler. Die abgestimmten Planungen innerhalb von VIA eröffneten große Chancen. "Via heißt nicht nur der Weg, er ist es auch."

Wie Mülheim müsse auch die DVG in ihren Fahrzeugpark investieren. "Eine Straßenbahn hält 30, bei guter Pflege vielleicht auch 35 Jahre und kann dann noch mal grundsaniert werden. Aber nach weiteren zehn Jahren ist dann wirklich Schluss." Für die DVG bedeutet dies, dass sie bis 2017 etwa 47 neue Wagen anschaffen müsste — eine Investition in Höhe 150 Millionen Euro, die derzeit keiner stemmen kann.

(RP)