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Duisburg: OB soll sich mehr der Wirtschaft widmen

Duisburg : OB soll sich mehr der Wirtschaft widmen

In einem offenen Brief hat sich jetzt der in Buchholz ansässige Unternehmerverband an OB Link gewandt. Die Forderung: Link soll sich mehr um die Wirtschaft kümmern.

Der Brief ist unterzeichnet vom Vorsitzenden der Unternehmerverbandsgruppe, Michael J. Walter, dem Sprecher der regionalen Wirtschaft, Heinz Lison, sowie UVG-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schmitz. Sie weisen darauf hin, dass sie schon zu Links Amtsantritt deutlich gemacht hätten, dass die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Duisburg in den Fokus von Politik und Verwaltung gehöre. Damals habe Link bei diesem Thema "eine sehr große Offenheit an den Tag gelegt", heißt es in dem Brief.

Doch nun ist offenbar Ernüchterung bei der Wirtschaft aufgekommen. "Leider ist die Stadt Duisburg im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Entwicklung nach wie vor nicht in einer komfortablen Situation", lautet das Fazit. Die Arbeitslosigkeit sei zu hoch, Meldungen über einen weiteren Arbeitsplatzabbau in der Stadt seien beunruhigend. Auch die Attraktivität des Standortes habe in den vergangenen Jahren abgenommen. "Die zu Ihrem einjährigen Dienstjubiläum verkündete politische Agenda muss dringend um eine wirtschaftliche Komponente ergänzt werden", fordern die Unternehmer. Die einfache Frage laute: "Was können wir gemeinsam tun, um den Standort Duisburg für Unternehmen und Arbeitsplätze attraktiver zu machen?"

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In der Vergangenheit habe es in diesem Punkt herbe Rückschläge gegeben. Die Rockerkriminalität und die Armutszuwanderung bescherten Duisburg kontinuierlich negative Schlagzeilen, die dem Image der Stadt weiter schadeten. Die Erhöhung der kommunalen Steuern auf ein Spitzenniveau im nationalen Vergleich habe zudem die Belastungen für die Unternehmen weiter erhöht.

"Wir bitten, unsere Kritik nicht mit einem "Schlechtreden der Stadt zu verwechseln", so der Unternehmerverband. Die hiesigen Unternehmen würden sich "glasklar" zum Standort Duisburg bekennen. Sie möchten hier bleiben und wachsen. Es gebe Probleme, die in Duisburg angepackt werden müssten. Sie könnten von der Politik nicht alleine gestemmt werden. Doch die Politik könne und müsse die entscheidenden Impulse geben. Die besonderen Herausforderungen seien Fachkräftemangel, Kooperation mit den Ruhrgebietsstädten, steuerliche Belastung, Kriminalität, Image der Stadt, Bündnis für Familien. Auszüge aus dem Brief:

Fachkräftemangel: Die Potenziale, die sich durch die Uni für die Stadt ergeben, seien nicht ausgeschöpft. Die Hochschule sei nicht hinreichend in die städtische Gesellschaft integriert. "Wir glauben, dass die Zusammenarbeit deutlich ausgebaut werden muss, zum Beispiel im Bereich der Wirtschaftsförderung. Wir müssen gemeinsam überlegen, wie man qualifizierte Fachkräfte an den Standort lockt. Das Thema "günstiges Wohnen" kann ein wichtiges Argument sein."

Kooperation mit den Nachbarn: Wir brauchen mehr Zusammenarbeit zwischen den Ruhrgebietsstädten. Wir erwarten, dass sich auch die Stadt Duisburg beim Thema Kooperation an die Spitze der Bewegung setzt. Eine Stadt mit derart großen finanziellen Problemen wie Duisburg könnte durch eine sinnvolle Kooperation mit seinen Nachbarstädten viel Geld sparen.

Steuerliche Belastung: Ihr Stadtkämmerer hat ausgeführt, dass 2012 im Jahresabschluss das beste Jahr seit 20 Jahren gewesen sei. Die Frage ist, was das für die Entwicklung der Steuern und Abgaben in der Stadt heißt. Eine Sanierung des städtischen Haushalts auf Kosten der Unternehmen und der Arbeitsplätze ist auf Dauer teuer, zu teuer erkauft. Wann sollen die Belastungen zurückgeführt werden?

Kriminalität: Das belastet den Standort ganz erheblich. Die Polizei hat ihre Präsenz deutlich erhöht. Es ist davon die Rede, dass sich Duisburg als Zentrum der Rockerkriminalität "etabliert". Wir erwarten von der Politik, dass sie den Ursachen der Bandenkriminalität auf den Grund geht. Warum ist gerade Duisburg für Rockerbanden so attraktiv? Image: Wir stimmen Ihnen zu, dass man am Image der Stadt arbeiten muss. Eine teure Image-Kampagne allein reicht gewiss nicht. In diesen Zusammenhang gehört ein Bekenntnis der Stadt zu den Industriearbeitsplätzen.

(RP)