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Jahresrückblick: Nur neue Jobs helfen Duisburg weiter

Jahresrückblick : Nur neue Jobs helfen Duisburg weiter

Duisburg ist beim Strukturwandel ein Stück weiter – aber noch ist einiges im Argen: Die Hartz IV-Quote und die Arbeitslosigkeit sind auf hohem Niveau, es gibt zu wenig Arbeitsplätze, und Großprojekte brauchen ihre Zeit.

Duisburg ist beim Strukturwandel ein Stück weiter — aber noch ist einiges im Argen: Die Hartz IV-Quote und die Arbeitslosigkeit sind auf hohem Niveau, es gibt zu wenig Arbeitsplätze, und Großprojekte brauchen ihre Zeit.

Gute Nachrichten aus der Wirtschaft sind in Duisburg eher selten. Das war 2012 nicht anders. Die Ankündigung von Audi, gemeinsam mit der Wolfsburger Spedition Schnellecke ein großes Logistikzentrum auf dem Logport II-Gelände in Wanheim zu errichten, fand daher im Dezember besondere Aufmerksamkeit. Schließlich will duisport hier rund 25 Millionen Euro in die dazu gehörige Infrastruktur investieren. 500 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Dass der Bürgerverein des anliegenden Stadtteils vor Lärm- und Umweltbelastung durch Lkw-Verkehr warnt, ist aus Sicht der Anwohner verständlich. Hafen-Chef Erich Staake hat hier direkt betont, auf Transparenz zu setzen und ein Verkehrskonzept vorzulegen.

500 neue Jobs sind für Duisburg schon viel — auch wenn die Zahl der Arbeitslosen zuletzt zwei Mal in Folge unter der Marke von 30 000 blieb. 12,2 Prozent ist sicher keine Quote, auf die man stolz sein kann. Dennoch: Es sind 0,3 Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr. Trotzdem gehört sie landesweit zu den höchsten. Bei den unter 25-Jährigen ist der Anteil der Arbeitslosigkeit in Duisburg entgegen dem Landestrend sogar gestiegen. Was Duisburg braucht, sind viele weitere neue Arbeitsplätze. Mehrere hundert Jobs — wenn auch meist in Teilzeit — könnten beim geplanten Factory Outlet Center entstehen. Doch das stand 2012 nicht unbedingt unter einem guten Stern. Der Streit um zunächst nicht gezahlte Grunderwerbssteuer, die anhaltenden Proteste der Zinkhüttenplatz-Bewohner und das Störfallgutachten, das einen zu geringen Abstand des Vorhabens zu Lagerstätten der Grillo-Werke bescheinigt, machten dem niederländischen Projektentwickler Roger Sevenheck das Leben schwer. Ob 2013 der Knoten durchschlagen werden kann und für das FOC der Befreiungsschlag gelingt, bleibt abzuwarten. Fachleute sehen das Vorhaben allerdings nach wie vor skeptisch.

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Viele Baustellen

Das gilt auch für das Marientor-Carrée an der Steinschen Gasse, das Eurogate im Innenhafen oder das Altmarkt-Center in Hamborn. Während bei den beiden letztgenannten Projekten die Entwickler KölblKruse aus Essen beziehungsweise die Düsseldorfer ITG einen Rückzieher machten, hält der Investor an dem großen Gesundheitszentrum scheinbar fest. Auch wenn sich äußerlich sichtbar dort im vergangenen Jahr nicht viel bewegte. Es ist zu hoffen, dass die Baugrube in diesem Jahr mit Leben erfüllt wird. Zur Dauerbaustelle scheint auch die Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft zu werden. Wie berichtet beschloss der Rat der Stadt, 20 Millionen Euro für die Altersteilzeit von mindestens 100 Beschäftigten des DVV-Konzerns zurückzulegen. Diese Finanzspritze war nötig geworden, weil der Personalabbau Bestandteil des Restrukturierungsprogramms "RePower" ist und scheinbar anders nicht abgewickelt werden kann. Ertragseinbrüche haben den Konzern, zu dem vor allem die Stadtwerke und die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) gehören, zum Handeln gezwungen. DVV-Konzernchef Dr. Hermann Janning hatte bereits vorzeitig seinen Hut nehmen müssen. Ob die Situation des DVV-Konzerns eine andere wäre, wenn das Stadtwerke-Konsortium nicht die Mehrheitsanteile am Steag-Konzern gekauft hätte, muss dahingestellt bleiben.

Vor Jahresfrist stand das alte Boecker-Haus an der Steinschen Gasse noch, inzwischen ist an dieser Stelle das Stadtfenster schon ein gutes Stück vorangekommen. Es wird aber erst 2014 eröffnet werden, weil der Innenausbau mit einer Infrastruktur für eine mit modernster Technik ausgestatteten Stadtbücherei einige Monate zusätzlich in Anspruch nehmen wird.

In arge Turbulenzen geriet 2012 der ThyssenKrupp-Konzern. Betroffen ist davon auch der Stahlstandort Duisburg. Das Engagement des Konzerns in den USA und in Brasilien, vor dem die Arbeitnehmervertreter stets gewarnt hatten, sorgt für Probleme. Stahl-Chef Edwin Eichler musste gehen. Zurzeit sind rund 2000 Beschäftigte in Kurzarbeit, die wahrscheinlich noch verlängert werden muss. Auch die Beschäftigten der TSTG Schienentechnik haben mit dem Schienenkartell des Managements nichts zu tun gehabt — am Ende sind sie es aber, die ihren Arbeitsplatz wegen der Schließung des Werks verlieren könnten. Mit Spannung warten die Duisburger im Übrigen, wie es mit den Möbel-Großprojekten von Ostermann in Meiderich und Krieger weiter geht. Krieger ließ zuletzt aufhorchen, als er auch im Düsseldorfer Norden ein Grundstück kaufte.

(RP)