Duisburg: Nur kurz den Koran verteilt

Duisburg: Nur kurz den Koran verteilt

Am Samstag verteilten junge Salafisten in der Innenstadt kostenlos Exemplare des "Qur'an". Die Aktion war viel kürzer als erwartet und verlief ohne Störungen. Neben den Salafisten beteten Mitglieder der Evangeliumskirche.

Bunt, lebhaft und sommerlich ging es am Samstag in der Duisburger Innenstadt zu. Da fiel es kaum auf, dass an diesem sonnigen Tag Duisburg im Zentrum der vieldiskutierten Koran-Verteilaktion (Motto der Aktion: "Lies!") der Salafisten stand. Am Mittag begannen fünf junge Männer, an ihrem Stand vor dem Forum den Koran "an den Mann" zu bringen. Geplant und beantragt war, den Koran bis in die Abendstunden an die Duisburger zu verteilen. Am frühen Nachmittag war von den islamischen Fundamentalisten schon nichts mehr zu sehen. Ob es daran lag, dass von den 25 Millionen Exemplaren, die deutschlandweit verteilt werden sollen, nur ein relativ kleiner Teil für die Aktion in Duisburg zur Verfügung stand oder die deutsche Ausgabe des Koran den strenggläubigen Islamisten praktisch "aus der Hand" gerissen wurden, ist nicht genau zu beantworten. Jedenfalls hatten die jungen Salafisten, die sich beton freundlich gaben, schon kurz nach Beginn ihrer Aktion angekündigt, dass sie nur so lange bleiben wollten, "bis alle Bücher verteilt sind".

Karin Diel, die am benachbarten SPD-Stand für den Oberbürgermeisterkandidaten ihrer Partei warb, vermutete noch andere Beweggründe: "Die jungen Männer wirkten irgendwie verunsichert, fühlten sich unwohl in dem Trubel". Auffallend war, dass die Salafisten nicht auf die Besucher zugingen, sondern an ihrem Stand blieben. Sie überreichten jedem Passanten, der einen Koran wollte, ein Exemplar, auf besondere Nachfrage auch mehrere. Von sich aus verwickelten sie die Besucher in keine Gespräche. Die verteilten Koran-Exemplare tragen die Aufschrift: "Der edle Qur'an. Die ungefähre Bedeutung in der deutschen Sprache." Wer nachfragte, bekam von den jungen Männern die Auskunft, dass der Koran nur im Arabischen vollkommen "echt" sei; die deutsche Sprache könne den Inhalt nur annäherungsweise wiedergeben. Die recht kurze Koran-Verteil-Aktion verlief ohne besondere Vorkommnisse. Die Polizei hatte dies auch so erwartet, da keine Gegendemonstrationen angekündigt waren, die anderenorts zur Eskalation geführt hatten.

Die Konkurrenz war für die Salafisten aber auch denkbar stark an diesem lebhaften Samstag in der Duisburger Innenstadt. Wenige Meter vom Stand der "Salafisten warben Mitglieder der Evangeliumskirche "Glaubensgeneration", mit einer tänzerischen Performance und Gebetsaktion für ihre Kirche und ihre Sicht in Glaubensfragen.

Die Duisburger nahmen das Ganze offensichtlich mit Gelassenheit hin.

(RP)
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