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Duisburg: Notfallseelsorge auch auf Muslimisch

Duisburg : Notfallseelsorge auch auf Muslimisch

Die Notfallseelsorge ist die seelsorgliche Krisenintervention im Auftrag der christlichen Kirchen. Jetzt kümmern sich in Krisensituationen in Duisburg auch fünf muslimische Notfallbegleiter um die Betroffenen.

Wenn Menschen im häuslichen Bereich in Not geraten, etwa bei einem plötzlichen Todesfall eines nahen Angehörigen oder einem Suizid, dann sind die Mitarbeiter der Notfallseelsorge zur Stelle und leisten eine schnelle erste Begleitung, um Vertrauen, Sicherheit und Orientierung der in Not geratenen Menschen zu stärken. Dabei arbeitet die Notfallseelsorge überkonfessionell. Jetzt verstärken in Duisburg auch fünf muslimische ehrenamtliche Notfallbegleiter das Team, die besonders mit den theologischen, rituellen und kulturellen Anforderungen aus muslimischer Sicht vertraut sind. Jetzt bekamen sie ihre lilafarbenen Westen überreicht.

Zur Vorbereitung auf die ehrenamtliche Arbeit hatten sie zuvor eine spezielle Qualifizierung zur muslimischen Notfallbegleitung absolviert, die von der Christlich-Islamischen Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Landespfarramt für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland und mit Unterstützung zahlreicher muslimischer Organisationen angeboten wurde.

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"Seelsorge ist eher ein christlicher Begriff. Der Begriff Notfallbegleitung berücksichtigt mehr den islamischen Aspekt", erklärte Dr. Thomas Lemmen von der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG) die leicht abweichende Bezeichnung der muslimischen Helfer. Erstmals war 2009 ein Kursus für muslimische Notfallbegleiter durchgeführt worden. An dem hatte auch Hülya Ceylan, die hauptberuflich als Sozialpädagogin im katholischen Gesundheits- und Sozialzentrum "Georgswerk Duisburg" in Marxloh arbeitet, teilgenommen. "Ich habe mir während der Ausbildung die Frage gestellt, wie die Leute mich aufnehmen würden, aber ich war sofort mit dem Rettungsdienst auf einer Ebene. Das ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation", berichtet Ceylan.

Dass das besonders für eine Multi-Kulti-Region wie das Ruhrgebiet vorteilhaft sein kann, weiß auch Dr. Uwe Rieske, Landespfarrer für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland: "In der Notfallseelsorge fragen wir nicht nach konfession, Religion oder Weltanschauung. Aber neben der anderen Sprache gibt es oft auch andere religiöse Riten oder Selbstverständlichkeiten, die in solchen Fällen zu berücksichtigen sind." So sei es bei Muslimen etwa völlig üblich, dass sich nach einem Todesfall kurzfristig die ganze Nachbarschaft versammle, wohingegen Christen oft erst einmal alleine trauern würden.

Voraussetzung für die Ausbildung zum muslimischen Notfallbegleiter ist neben der muslimischen Religionszugehörigkeit ein Alter von 25 bis 65 Jahren, die persönliche Eignung und die Bereitschaft zur Mitarbeit im örtlichen Notfallseelsorgedienst inklusive Rufbereitschaft.

(RP)