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Duisburg: Noch keine Rede von der Rezession

Duisburg : Noch keine Rede von der Rezession

Die Ruhrgebiets-Wirtschaft spürt im zweiten Halbjahr 2012 die konjunkturelle Eintrübung, zeigt sich aber weiterhin robust. Das ist das wichtigste Ergebnis des aktuellen Konjunkturbarometers der Arbeitgeberverbände im Ruhrgebiet.

Die Arbeitsgemeinschaft arbeitgeber ruhr, zu der die Arbeitgeberverbände aus Duisburg, Bochum, Dortmund, Essen und Gelsenkirchen zählen, hatten ihre Mitgliedsfirmen befragt. Mehr als 330 Ruhrgebietsfirmen mit insgesamt rund 90 000 Beschäftigten schickten die ausgefüllten Fragebögen zurück. Der in Buchholz ansässige Unternehmerverband steuerte die Umfrageergebnisse von 63 Unternehmen unter anderem aus dem Raum Duisburg, Mülheim und Oberhausen bei. Die Metall- und Elektroindustrie wurde im Rahmen der Umfrage gesondert ausgewertet.

Die Ergebnisse: Gegenüber der Frühjahrs-Umfrage haben sich die Ergebnisse im Herbst leicht verschlechtert. "Der Konjunktur-Aufschwung stagniert", so die Analyse des Verbandes. Für das erste Halbjahr 2013 seien die Erwartungen der Unternehmer deutlich verhaltener als noch in der Frühjahrsumfrage. Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, sieht dennoch keinen Anlass, von Rezession zu sprechen: "Trotz der Konjunkturernüchterung ist die Wirtschaft im Ruhrgebiet weiter stabil. Der Konjunktur-Aufschwung ist zwar zum Stillstand gekommen, ist aber noch nicht im absoluten Negativtrend." Der Arbeitsmarkt entwickle sich zudem nach wie vor positiv, auch wenn der Beschäfti-gungssaldo nicht mehr uneingeschränkt gut sei.

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Branchenübergreifend überwiegen bei den Konjunkturprognosen noch der Optimismus: 48 Prozent der Befragten rechnen für die nächsten sechs Monate mit gleich bleibend guten oder besseren Geschäften (bei einem Anteil von sieben Prozent, die "keine Angabe" machten und von 45 Prozent Pessimisten), 52 Prozent mit besseren beziehungsweise gleichbleibend guten Inlandsaufträgen. Das sind allerdings 17 beziehungsweise neun Prozent-Punkte weniger optimistische Rückmeldungen als vor einem halben Jahr.

Relativ optimistische, aber ebenfalls verschlechternde Rückmeldungen erreichten die Arbeitgeberverbände bei der Investitionsprognose: 56 Prozent der Befragten (Frühjahr: 62 Prozent) rechnen mit einer Zunahme beziehungsweise mit gleichbleibend hohen Investitionen im Vergleich zum Vorjahr, 16 Prozent mit einer weiteren Abnahme. Noch gedämpfter sind die Prognosen für den Bereich der Metall- und Elektroindustrie: Nur eine Minderheit von 45 Prozent der Befragten (Frühjahr: 60 Prozent) rechnen in den nächsten sechs Monaten mit allgemein besseren oder gleichbleibend guten Geschäften.

Bei Auftragseingang und Umsatz ergibt sich branchenübergreifend keine beziehungsweise nur eine knappe Mehrheit von 48 beziehungsweise 51 Prozent der befragten Unternehmen, die bessere oder gleichbleibend gute Ergebnisse im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 einfahren konnten. Dennoch zeigt sich, dass der Höhepunkt des Aufschwungs überschritten ist: Vor einem halben Jahr lag dieser Anteil mit 61 Prozent sichtbar höher. Weiterhin erfreulich, wenn auch mit leichter Verschlechterungstendenz, sei die aktuelle Ertragssituation der Unternehmen, so der Verband.

Ein vergleichbar positives Bild bei der Metall- und Elektroindustrie einerseits und der branchen-übergreifenden Betrachtung andererseits ergibt sich bei den Arbeitsmarktprognosen für das erste Halbjahr 2013: Branchenübergreifend setzt sich der Positivsaldo bei der Beschäftigung, wenn auch verschlechtert, fort: 16 Prozent Abbau stehen 17 Prozent Aufbau gegenüber. Das ist gegenüber dem Frühjahr eine deutliche Verschlechterung von vier gegenüber 17 Prozent.

Kurzarbeit planen in der Gesamtwirtschaft gut acht Prozent der Befragten (bei Metall- und Elektrounternehmen: über zwölf Prozent), Mehrarbeit immerhin noch sieben Prozent (bei Metall- und Elektrounternehmen: 5,5 Prozent). Neueinstellungen sind branchenüber-greifend von 19 Prozent der Befragten, in der Metall- und Elektroindustrie von nur acht Prozent der Befragten geplant.

Schmitz fordert die Politik auf, alles zu unterlassen, was die Unternehmen in der jetzigen Situation weiter belaste. "Dass die Ruhrgebietsstädte zum Teil ihre Steuern kräftig erhöhen wollen, schadet den Arbeitsplätzen", so Schmitz. Der Unternehmerverband fordert gerade angesichts einer sich eintrübenden Konjunktur verstärkte Anstrengungen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Ruhrgebiet. "Die Zukunft des Reviers liegt in einer sinnvollen Kooperation seiner Städte", sagt der Hauptgeschäftsführer.

(RP)