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Duisburg: Niemand war mehr überrascht

Duisburg : Niemand war mehr überrascht

Der Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff war gestern auch in Duisburg vorherrschendes Gesprächsthema. Die beiden Duisburger SPD-Bundestagsabgeordneten machen sich bereits Gedanken über einen Nachfolger.

Für Johannes Pflug kam der Rücktritt fast zwangsläufig: "Nachdem der Antrag auf Aufhebung der Immunität gestellt wurde, blieb ihm nichts anderes übrig. Selbst wenn sich eine Mehrheit gegen die Aufhebung gestellt hätte, wäre immer in den Hinterköpfen geblieben, dass gegen den Präsidenten eigentlich ein Strafverfahren laufen sollte." Wulff sei daran gescheitert, dass er mit den Anschuldigungen nicht richtig umgegangen sei. "Diese Salamitaktik bei der Aufklärung und die merkwürdigen Pressekonferenzen haben ihm und dem Amt des Bundespräsidenten sehr geschadet." Pflug wünscht sich jetzt eine überparteiliche Frau als Bundespräsidentin.

Nach über 60 Jahren sei es an der Zeit, dass das Amt mal von einer Frau ausgefüllt wird. Aber auch Joachim Gauck oder Bundestagspräsident Norbert Lammert könnte sich der Duisburger Abgeordnete als neuen Präsidenten vorstellen. "Ich bin erleichtert, dass die Hängepartie nun ein Ende hat", sagte Bärbel Bas gestern. Die Kanzlerin solle nun das Gespräch mit der SPD und den Grünen suchen, um einen parteiübergreifenden Kandidaten zu benennen, so die Sozialdemokraten. Diese Auffassung vertritt auch Duisburgs CDU-Chef Thomas Mahlberg, der aber trotzdem den Rücktritt Wulffs bedauerte. Was sagen die Duisburger Bürger zum Rücktritt?

Die RP hat sich in der City umgehört. "Der Rücktritt von Herrn Wulff war längst überfällig", meint Ursula Schmeißer (56). "Der ganze Wirbel, den er verursacht hat, hat dem Amt geschadet. Hoffentlich geht es jetzt in Potsdam wieder ein wenig ruhiger zu. Wer das Amt in Zukunft bekleiden soll, weiß ich nicht. Hauptsache es wird nicht der Beckenbauer." Die 35-jährige Désirée Laskowski findet, die Entscheidung zum Rücktritt sei "absolut richtig und konsequent". "Es ist nun einmal beispiellos, dass die Staatsanwaltschaft gegen einen Bundespräsidenten ermitteln will. Auch unser Ansehen im Ausland könnte dadurch nachhaltig Schaden nehmen."

Harry Hasche (58) findet den Rücktritt "okay". "Auf dieser Ebene tragen die Politiker zu viel Verantwortung, als das sie sich solche Fehltritte erlauben können. Wenn er Kommunalpolitiker gewesen wäre, hätte ich die Affäre als nicht so schlimm empfunden. Ein bisschen Bestechung gibt es schließlich überall. Wer den Job jetzt machen soll, weiß ich nicht. Nur nicht der Herr Schäuble. Ansonsten ist mir das eigentlich egal."

"Das war längst überfällig", findet Jürgen Will. "Wulff ist ein Aussitzer und Mitnehmer. Wer Mist baut, muss auch dafür gerade stehen. Wenn man so etwas nicht kann, ist man auch nicht für den Posten des Bundespräsidenten geeignet."

"Es war ja klar, dass es irgendwann so weit kommen musste", erklärt Tatjana Freind (36). "Diese Reaktion haben ohnehin alle erwartet. Für alles, was man tut, muss man auch die Verantwortung übernehmen. Wer sich dem jetzt als nächstes stellen soll, kann ich nicht sagen. Das wird sich ergeben."

(RP)