1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Niederrhein: Was die Wirtschaft von der neuen Landesregierung fordert

Stahl, Kies, Fachkräfte : Das fordert die Wirtschaft am Niederrhein von der neuen Landesregierung

Die Wirtschaft am Niederrhein setzt Hoffnungen auf die neue Landesregierung. Allerdings gibt es auch Skepsis bei der IHK-Spitze. Was sie für den Stahl, den Kiesabbau, die klimaneutrale Industrie und gegen den Fachkräftemangel fordert.

Schon am Dienstagvormittag mutmaßte Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer, dass in Düsseldorf nach der Wahl von Henrik Wüst (CDU) zum Ministerpräsidenten die Sektkorken knallen. Ganz so euphorisch ist die Wirtschaft in Duisburg und am Niederrhein nicht. Das machte die IHK-Spitze mit Präsident Burkhard Landers und Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger deutlich.

„Ich bin erstaunt, wie schnell das gegangen ist“, meinte Landers im Hinblick auf das Zustandekommen der Koalition von CDU und Grünen in NRW. Angesichts der Probleme sei das aber auch gut so: „Wir stehen am Vorabend einer Rezession für Handel und Industrie. Und es wird eine der größten Rezessionen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Krieg in der Ukraine werde uns „noch Monate, vielleicht auch Jahre beschäftigen“. Themen wie die Energie- und Lebensmittelversorgung, gerissene Lieferketten, Inflation, Klimawandel, steigende Zinsen und die Covid-Pandemie seien dabei die besonderen Herausforderungen.

  • Nordrhein-Westfalen : Hendrik Wüst als Ministerpräsident wiedergewählt
  • Laut IHK könnten Kohlekraftwerke durch Verlängerung
    Lage im Rhein-Kreis Neuss : Sorge vor Chaos bei Energieversorgung
  • Der Duisburger Hafen setzt auf den
    Kritik an Stadt und Hafen : Ohne Handel mit China würde vieles teurer

Stahlindustrie „Sie ist bei der Umwandlung in eine klimaneutrale Industrie Tel des Problems – aber sie ist auch Teil der Lösung“, so der IHK-Präsident. Er bekräftigte die Forderung nach einem nationalen Stahlgipfel in Duisburg. „Es gibt kein Thema wie die Transformation der Stahlindustrie, wo sich Politik und Wirtschaft einiger sind. Aber wir müssen sehen, dass jetzt mehr Druck auf den Kessel kommt.“ Beim Stahlgipfel sollten Vertreter von Band, Land und EU ebenso dabei sein wie die großen Stahlproduzenten. „An dieser Stelle können wir vom Koalitionsvertrag noch nichts Konkreteres erwarten.“

Bürokratieabbau Die Formulierung des Koalitionsvertrages, die Bürokratie nicht weiter zu erhöhen, reicht der IHK indes nicht aus. „Wir brauchen weniger Bürokratie. So sieht es doch so aus, als sei man an einer Kontrolle der Wirtschaft hochgradig interessiert“, erklärte der IHK-Präsident. So müssten Genehmigungsverfahren beim Bau neuer Hochöfen, die auf Wasserstoffbasis produzieren sollen, parallel laufen und nicht erst noch vorgeschaltet werden. „Das muss on the run passieren. So wohl Planung und Genehmigung müssen beschleunigt werden.“ Deshalb müsse es möglich sein, auch erst während des bereits begonnenen Baus eines Hochofens diesen zu genehmigen.

Kiesabbau IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger sprach sich sowohl gegen die von der Koalition geplante Kiesabgabe ab 2024 als auch gegen einen langfristigen Ausstieg aus der Kiesgewinnung in der Region aus. „Das ist ein Zeichen der Widersprüchlichkeit. Man kann nicht gleichzeitig die Bauindustrie stärken wollen und die Rohstoffe Kies und Sand vernachlässigen. Wir wollen Windräder bauen, wir wollen Wohnungen bauen, wir wollen Brücken sanieren – und verknappen gleichzeitig die dafür notwendigen Rohstoffe. Kies und Sand sind unabdingbar für den Betonbau.“ Ein Ausstieg führe unweigerlich zu einer Verknappung. „Und dann wird das Bauen noch teurer, sowohl für die Wirtschaft als auch für den privaten Häuslebauer“, erklärte Dietzfelbinger. „Auf Recycling zu setzen reicht bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken.“ Nach wie vor setze die IHK auf einen „dialogorientierten Ansatz“, um das Problem lösen zu können.

 Umweltschützer und Bevölkerung sind skeptisch in Bezug auf den Kiesabbau – die IHK betont einmal mehr dessen große Bedeutung.
Umweltschützer und Bevölkerung sind skeptisch in Bezug auf den Kiesabbau – die IHK betont einmal mehr dessen große Bedeutung. Foto: Armin Fischer (arfi)

Flächen Die Wirtschaft benötige weitere Flächen für Gewerbeansiedlungen. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Reduktion lehnt die IHK daher ab. „In Duisburg, so heißt es, stünden 170 Hektar zur Verfügung. Das sind aber Alt- und Brachflächen, die man so auswärtigen Investoren nicht anbieten kann“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Nachfrage richte sich auf „ready made“-Flächen. „Deshalb haben sich ja auch Tesla in Brandenburg und Intel in Magedburg angesiedelt und nicht bei uns.“

Fachkräftemangel Den habe es Dietzfelbinger zufolge schon vor Corona gegeben, doch die Pandemie habe dieses Problem noch zusätzlich verschärft. „Personal fehlt – man braucht sich ja nur in der Gastronomie oder am Flughafen umzusehen“, erklärte Dietzfelbinger. Dies sei vor allem auch ein demographisches Problem: „Wenn demnächst die Babyboomer-Generation in Rente geht, wird es noch schlimmer.“ Die Kammer wirbt daher verstärkt um Ausbildung junger Menschen. Das sei der zukunftsträchtigere Weg, als nach der Schule zu jobben – auch wenn es so vielleicht anfänglich mehr zu verdienen gebe. Unter anderem setzt man daher auf „Ausbildungsbotschafter“. Das sind Azubis, die in die Schulen gehen und dort berichten, wie attraktiv Ausbildungen sein können. „Gesucht sind vor allem Praktiker, deshalb begrüßen wir die Absicht, berufliche Ausbildung verstärkt mit der akademischen gleichzustellen.“ Die Nachfrage sei groß. „Wir haben momentan rund 800 Lehrstellen in allen Bereichen frei, aber es bewerben sich viel zu wenig junge Menschen“, sagt der Hauptgeschäftsführer.