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Duisburg: Niederrhein-Kabarettistplaudert aus dem Nähkästchen

Duisburg : Niederrhein-Kabarettistplaudert aus dem Nähkästchen

friemersheim Der Weg vom Theologieprofessor zum Kabarettisten ist lang. Vor seiner Habilitation arbeitete Okko Herlyn (62) 14 Jahre als Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Wanheim. Während dieser Zeit wurde seine Wahrnehmung für die Menschen in der Region und deren Eigenheiten geschult, sagt Herlyn, der am Sonntag in der Friemersheimer Dorfkirche sein aktuelles Programm "Wie isset – muss" präsentierte. Darin beobachtete er mit Witz und Ironie Land und Leute am Niederrhein.

Im Freundeskreis angefangen

"Als Pfarrer bekommt man unheimlich viel von Menschen, deren Leben und Alltag, mit. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass meine Beobachtungen humorvolle und sarkastische Züge tragen", sagt der gebürtige Weseler. Angefangen mit kleinen Sketchen im Freundes- und Verwandtenkreis, sind im Laufe der Jahre Kabarettprogramme entstanden, deren Bekanntheitsgrad weit über die Region am Niederrhein hinausgeht.

"Wir wollten Okko Herlyn bereits vor einigen Jahren beim Kirchentag in Berlin sehen, aber die Veranstaltung war schon überfüllt und wir haben keinen Platz mehr bekommen. Da hat es uns umso mehr gefreut, dass wir ihn nun hier in Friemersheim live erleben können", so die Besucherin Karin Mischala, die eine Ähnlichkeit zu Hanns Dieter Hüsch feststellte. Bei einem Gläschen Orgelwein genoss sie in der gut gefüllten Dorfkirche die kabarettistischen Stücke, Lieder und Gedichte über den Clinch zwischen Rumeln und Kaldenhausen, Klatschgespräche an der Bude um die Ecke und den Alltag in der Kirchengemeinde.

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Aber es gab auch nachdenkliche Momente mit melancholischen Gedanken an die Heimat – eine Liebe, die manchmal erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. "Die Landschaft am Niederrhein und im Ruhrgebiet ist für viele erst bei näherer Betrachtung reizvoll. Ähnlich ist es mit den Menschen hier in der Region, die haben ihren ganz eigenen Charme", sagt Herlyn und betont, trotz der Liebe zur Heimat sei er gegen eine Idealisierung des Ruhrgebiets. "Das ist keine heile Welt. Das Leben hier ist gemütvoll und abgründig zugleich." Pfarrer Thomas Gregorius freute sich besonders über das abwechslungsreich gestaltete Kabarettprogramm in der Dorfkirche seiner Gemeinde.

"Okko Herlyn ist mir schon lange bekannt – auch als Theologieprofessor. Ich begrüße es sehr, dass er uns mit seinem Auftritt unterstützt", so Gregorius. Der Reinerlös des Abends kommt einer neuen Kirchenorgel zugute, da die alte Orgel aus den 50er Jahren bekanntlich nicht mehr reparabel ist und eine neue angeschafft werden muss. "Leider fehlen uns noch 40 000 Euro, obwohl wir schon seit Jahren sammeln und sparen", sagt Gregorius.

Info Okko Herlyn wurde 1946 geboren. Er ist seit 1994 Professor für Anthropologie und Ethik an der Evangelischen Fachhochschule Bochum. Seit Mitte der 80-er Jahre ist der Weseler als literarischer Kleinkünstler unterwegs. 1999 trat Herlyn zusammen mit Hanns Dieter Hüsch in der alten Mercatorhalle in Duisburg auf.

(RP)