Duisburg: Nicht gewählt – abgewählt

Duisburg : Nicht gewählt – abgewählt

Seit 1999 können die Duisburger ihre Oberbürgermeister selbst wählen. Bärbel Zieling (SPD) war die erste, die gleichzeitig Verwaltungschefin und oberste Stadtrepräsentantin wurde.

Hauptamtliche Oberbürgermeister haben in Duisburg einen schweren Stand. Das hat Adolf Sauerland am Sonntag erfahren. Das hat aber auch seine Amtsvorgängerin Bärbel Zieling erleben müssen.

Vor ihr gab es in NRW-Kommunen das Prinzip der Doppelspitze, bestehend aus dem Oberstadtdirektor als Chef der Verwaltung und dem Oberbürgermeister als wichtigster Repräsentant der Stadt. Bärbel Zieling, bis dahin SPD-Ratsfraktionschefin, zog 1997 per Ratsentscheid in das Büro des Stadtoberhauptes am Burgplatz ein.

Von den Bürgern wurde sie bei der Kommunalwahl 1999 direkt ins Amt gewählt. 53,5 Prozent der Duisburger schenkten ihr damals das Vertrauen. Damit hatte sie mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erreicht. Dadurch erübrigte sich eine Stichwahl mit dem Zweitplatzierten, dem von der CDU aufgestellten und vor wenigen Tagen verstorbenen Prof. Dr. Gernot Born.

2004 sah das Ergebnis ganz anders aus. Bereits im ersten Wahlgang zog CDU-Herausforderer Adolf Sauerland überraschend an ihr vorbei. Zieling kam nur noch auf rund 38 Prozent der Stimmen, Sauerland auf etwas mehr als 40 Prozent. Bei der Stichwahl zwei Wochen später war die Sensation perfekt. Mit mehr als 60 Prozent hängte Sauerland seine Herausforderin deutlich ab.

Die Unterlegene hat seitdem so gut wie keine öffentliche Veranstaltungen mehr besucht, hat sich auch aus der aktiven Arbeit in der SPD zurückgezogen und unterhält auch nur noch zu wenigen ihrer ehemaligen politischen Wegbegleiter private Kontakte. Ob Adolf Sauerland einen ähnlichen Weg gehen wird? Dass ihn am Sonntagabend ähnlich wie bei Zieling bei der Bekanntgabe des Stichwahlergebnisses 2004 nur wenige Parteifreunde im Rathaus zur Seite standen, war den Umständen geschuldet.

Denn ein Großteil von ihnen hatte die Bekanntgabe des Ergebnisses an seiner Seite im Walsumer Brauhaus verfolgt, und noch mehr verbrachten nach seinem kurzen Besuch am Burgplatz dort auch den weiteren Abend mit ihm zusammen. Adolf Sauerland ist parteiintern derzeit mit keinen Funktionen ausgestattet, die ihm eine öffentliche kommunalpolitische Arbeit ermöglichen würden.

Er hat kein Ratsmandat und auch keines für einen Fachausschuss oder eine Bezirksvertretung. Er ist auch kein gewähltes Mitglied des Parteivorstandes. Abgesehen davon: Ob er Interesse hat, noch einmal als Kommunalpolitiker in Erscheinung zu treten (vor seiner Wahl war er Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat) oder ob die öffentliche Akzeptanz ein politisches Amt unmöglich macht — all das sind derzeit (noch) keine Fragen, mit denen sich seine Partei beziehungsweise er sich selbst beschäftigt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Flashmob als Zeichen gegen OB Sauerland

(RP/rl)