Duisburg: Neuzustellung als Standort-Bekenntnis

Duisburg : Neuzustellung als Standort-Bekenntnis

ThyssenKrupp investiert mehr als 200 Millionen Euro in die Modernisierung von Europas größtem Hochofen. Während der Arbeiten muss der Hochofen Schwelgern 2 erstmals nach 21 Jahren wieder außer Betrieb genommen werden.

Damit macht der Konzern deutlich, dass er Duisburg auch weiter als wichtigsten Stahlstandort sieht. Denn die Laufzeit eines Hochofens, die sogenannte "Ofenreise", dauerte schon mit über 20 Jahren ungewöhnlich lang. Beginnt eine neue Ofenreise, wird ein ähnliches Zeitfenster für die Zukunft veranschlagt.

Die Anlage wird dazu jetzt heruntergefahren. Anschließend wird unter anderem die feuerfeste Ausmauerung des rund 75 Meter hohen Hochofens erneuert. Die Arbeiten werden von einem rund 300-köpfigen Team von ThyssenKrupp zusammen mit rund 100 Fremdfirmen durchgeführt. Zwei Binnenschiffe und ein Schiffskran brachten jetzt Großkomponenten für die Modernisierung des Hochofens. Aufgrund der Abmessungen konnte die Lieferung nur über den Wasserweg erfolgen. Die Anlagenteile haben einen Durchmesser von bis zu acht Metern. Zwei Materialbehälter, über die später der Hochofen mit Erz, Koks und alle weiteren Rohstoffen befüllt wird, wiegen jeweils 120 Tonnen. Teile für einen Kondensierturm bringen es auf bis zu 45 Tonnen. "Einen Schwertransport in dieser Größenordnung haben wir seit fast zehn Jahren nicht mehr gehabt", erzählt Peter Caron, Projektmanager bei der Firma Paul Wurth Umwelttechnik GmbH in Essen. "Das ist ein riesiger logistischer Aufwand.

An die 50 Personen haben geholfen, die Fracht heil nach Duisburg zu bringen." Gestartet war der Transport von einem Werk im niedersächsischen Dinklage aus. Auf Spezial-Trucks ging es über 80 Kilometer Landstraßen zum Küstenkanal. Dort wurden die Anlagenteile unter Einsatz eines 500 Tonnen-Krans auf Schiffe verladen und über Küstenkanal, Ems, Nordsee, Ijsselmeer, Ijssel und Rhein ging es bis zum Walsumer Hafen. Zeitgleich wurden weitere, tonnenschwere Großkomponenten über die Straße angeliefert. Insgesamt vier Lkw-Transporter aus Luxemburg kamen ebenfalls auf dem Werksgelände im Duisburger Norden an.

Ende September soll der Ofen wieder angeblasen werden. Dann verarbeitet das Aggregat wieder täglich etwa 25 Güterzüge mit je 20 Waggons, gefüllt mit Erz, Sinter, Kohle und Koks. Bis zum vergangenen Jahr hatte die Anlage mit einem Gestelldurchmesser von 14,9 Metern insgesamt bereits 75 Millionen Tonnen Roheisen geschmolzen.

(RP)
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