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Duisburg: Neues Projekt: Lotsen für Ratsuchende

Duisburg : Neues Projekt: Lotsen für Ratsuchende

Im Herbst soll in Rheinhausen das ökumenische Projekt "Offenes Ohr" starten. Gesucht werden Ehrenamtliche, die Menschen zuhören und denen helfen wollen, die Probleme und Sorgen haben.

Menschen Zeit schenken, ihnen zuhören und vielleicht dabei helfen, ihre Probleme zu lösen — das ist das Ziel des Projekts "Offenes Ohr" der katholischen Gemeinde St. Peter, der evangelischen Gemeinden in Rheinhausen und des Caritascentrums West. Seit mehr als einem halben Jahr arbeitet eine Steuerungsgruppe daran, die Idee in die Tat umzusetzen. Jetzt sind die elf Aktiven soweit, dass sie ganz gezielt einen Aufruf starten können. Denn für die Umsetzung ihres Vorhabens brauchen sie Ehrenamtliche, die sich einbringen möchten.

Der Impuls für das Projekt kam aus der Gemeinde St. Peter. "Wir haben festgestellt, dass die Not in Rheinhausen zugenommen hat", erklärt Pastoralreferent Matthias Masuch. Es gebe immer mehr Menschen mit finanziellen und sozialen Problemen, die damit oft zu den Pfarrern kämen. "Wie haben gemerkt, der Bedarf ist da, da müssen wir noch was tun", sagt Masuch. "Wir wollen unserem karitativen Auftrag besser nachkommen." Einer, der direkt mit im Boot war, war Stefan Ricken vom Caritascentrum West. "Wer hat heute noch Zeit für ein Gespräch? Anderen zuhören und versuchen zu helfen, das ist ein Gut, das in der heutigen Zeit immer mehr verloren geht", sagt Ricken. Mit dem "Offenen Ohr" wolle man diese Lücke füllen.

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Im Katholischen Bildungsforum Duisburg-West an der Händelstraße 16 sollen ab dem Herbst regelmäßige Sprechzeiten angeboten werden, zu denen Interessierte ohne Anmeldung und ohne bürokratischen Aufwand kommen können. Jeweils zwei Ehrenamtliche, so die Vorstellung, sollen dort einmal oder mehrmals wöchentlich auf die Sorgen und Probleme der Ratsuchenden eingehen. Vielleicht ist es ja schon mit einem Gespräch getan, vielleicht bedarf es aber auch weiterer Schritte. In dem Fall greifen die Ehrenamtler gegebenenfalls auch mal zum Hörer und vermitteln die Ratsuchenden an andere Stellen. Bei allem soll der Leisatz gelten: "So viel wie nötig, so wenig wie möglich". Denn die Betroffenen sollen zum Handeln und zur Selbsthilfe ermuntert werden. "Das ist ein niederschwelliges Angebot. Es versteht sich nicht als Konkurrenz, geschweige denn als Ersatz für bestehende Beratungsdienste", stellt Ricken klar. Er gehe um die Ergänzung und Hinführung zu einer richtigen Stelle, um schnelle und unbürokratische Hilfe, und zwar für alle Menschen in Rheinhausen — unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion oder sozialem Status.

Gesucht werden jetzt Frauen und Männer, die gut zuhören können und vielleicht schon Erfahrung haben im sozialen Bereich. Menschen, die beruflich beratend tätig waren oder sich mit Fragen rund um soziale Leistungen auskennen. "Das ist aber keine Voraussetzung", betont Ricken. Es könnten auch einfach Menschen sein, die sich mit der Thematik befassen wollen. Interessierte, die sich in das Projekt einbringen wollen, sollen an vier Terminen vorbereitet und geschult werden. Dabei werden Themen wie Gesprächsführung, Nähe und Distanz, Möglichkeiten der Hilfe und Umgang mit Grenzen angesprochen.

(RP)