Duisburg: Neuer Blick auf die Sammlung

Duisburg : Neuer Blick auf die Sammlung

Mit einem Fest (bei freiem Eintritt) wird am Samstag, von 14 bis 20 Uhr, der Abschluss der ersten Umbauphase des Wilhelm-Lehmbruck-Museums gefeiert. Gestern sahen zahlreiche auswärtige Journalisten das neu-gestaltete Haus zum ersten Mal und waren augenscheinlich beeindruckt.

Vermutlich werden die Museumsmitarbeiter noch bis zum späten Freitagabend damit beschäftigt sein, das Wilhelm-Lehmbruck-Museum auf die Besucher vorzubereiten, die am Samstag zum ersten Mal Gelegenheit haben, das neu gestaltete Museum kennenzulernen. Gestern konnte eine große Journalistengruppe, darunter viele auswärtige Kollegen, das – absehbare – Ende der ersten Umbauphase des Museums begutachten. Augenscheinlich waren alle tief beeindruckt von dem, was unter Leitung des neuen Museumsdirektors Prof. Dr. Raimund Stecker in den vergangenen fünf Monaten geschah.

"Wir lieben unsere Sammlung ... und laden Gäste ein" ist das Motto der Wiedereröffnung des Lehmbruck-Museums, das in den vergangenen Wochen "umgekrempelt" wurde (so Raimund Stecker). Der Museumsdirektor betonte, dass er das Duisburger Lehmbruck-Museum architektonisch zu den schönsten Museen der ganzen Welt rechnet. In den vergangenen Wochen wurde das 1964 eröffnete Haus von zahlreichen Einbauten der vergangenen Jahrzehnte befreit und gründlich renoviert. Kühn, aber überzeugend ist der graphit-dunkle Anstrich der Wände u.a. im ehemaligen Wechselausstellungsraum, in dem nun Meisterwerke der Abstraktion aus der Sammlung des Hauses präsentiert werden. Dabei kommt es Stecker darauf an, das gleichberechtigte Nebeneinander von amerikanischer und europäischer Kunst zu zeigen. Arbeiten von Frank Stella, David Smith, Norbert Kricke, Anthony Caro, Naum Gabo und Barbara Hepworth befinden sich neben Werken von Ernst Wilhelm Nay, Hans Arp, Tim Scott, Hans Uhlmann und Alexander Calder. Genauso hierarchielos nebeneinander zu sehen sind die Werke von Ulrich Rückriem und Richard Artschwager. Auch drei Werke des Duisburger Künstlers Heinz Trökes (1913 bis 1999), im Dreieck gehängt, kommen hier zur Geltung. Bisweilen hängen und stehen die Werke dicht gedrängt, bisweilen bekommen sie aber auch viel Raum. So wird eine große Wand für nur zwei Meisterwerke von Nay reserviert. Da kommt keine Routine auf!

In den drei neu gestalteten Dreiecksräumen im Erweiterungsbau des Museums (die RP berichtete) werden herausragende kubistische Werke aus der Sammlung des spanisch-deutschen Telekommunikationsunternehmens Telefónica gezeigt. Zu sehen sind Werke u.a. von Juan Gris, die in einen Dialog gesetzt werden mit hochkarätigen Werken aus der Sammlung des Lehmbruck-Museums, darunter Arbeiten von Pablo Picasso und Henri Laurens.

Beuys: Raum 90. 000 DM

Für Aufsehen bei den auswärtigen Journalisten sorgte gestern der in der RP bereits vorgestellte neue Beuys-Raum ("Raum 90.000 DM" aus dem Jahr 1981), der mit Beuys-Werken eines privaten Duisburger Sammlers ergänzt wird.

Zukünftig werden Ausstellungen zur Gegenwart bevorzugt in der Nordhalle, in der Straßengalerie und im großen Glaskubus gezeigt. Letzterer bleibt in den kommenden Monaten "leer", nicht mangels Werken, sondern weil er die herausragenden architektonischen Qualitäten des Museums demonstrieren soll.

Als ersten zeitgenössischen Künstler hat Raimund Stecker den Bildhauer Wilhelm Mundt eingeladen, der seine Werkgruppe "Trashstones" zeigt. Der stellvertretende Museumsdirektor Dr. Gottlieb Leinz, der bei der Wiedereröffnung u.a. für den wichtigen Beuys-Part verantwortlich ist, zog schöne Parallelen zwischen Mundt (1959 in Grevenbroich geboren) und Beuys, der wenige Tage vor seinem unerwarteten Tod am 23. Januar 1986 mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg ausgezeichnet worden war. Die Ausstellung von Wilhelm Mundt wird finanziert vom Freundeskreis des Museums, der sieben "Müllsteine" des Künstlers ankaufte.

(RP)