Duisburg: Neue Thorarolle für Jüdische Gemeinde

Duisburg : Neue Thorarolle für Jüdische Gemeinde

Zur Amtseinführung von Rabbiner David Mosche Geballe wurde das handgeschriebene Pergament am Springwall mit einer feierlichen Zeremonie begrüßt.

"So Gott will" - das sind traditionell die letzten Worte einer Thorarolle. Oberbürgermeister Sören Link setzte sie gemeinsam mit David Mosche Geballe, dem neuen Rabbiner, bei einer feierlichen Zeremonie im Stadthistorischen Museum ans Ende des hebräischen Textes der fünf Bücher Mose. Am Ende des Festaktes, an dem auch Vertreter der christlichen Gemeinden teilnahmen, wurde die Rolle zum Haus der jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen am Springwall getragen.

"Ein großer Tag, der auch das neue Verständnis der christlich-jüdischen Beziehungen belegt", sagt Dr. Ludger Heid, der seit vielen Jahren als "Haus-Historiker" die Entwicklung der Gemeinde begleitet. Der neue Rabbiner tritt die Nachfolge von Reuven Konik an, der im vergangenen Jahr nach Antwerpen wechselte. Interessant: David Mosche Geballe (38), zuvor in Fürth tätig, ist als gebürtiger Hamburger der erste Gemeinderabbiner seit dem Holocaust, der in Deutschland geboren wurde. "Wie viele andere wuchs auch die Duisburger Gemeinde durch die Zuwanderung aus Russland. Deshalb kamen von dort auch viele Rabbbiner", erläutert Ludger Heid.

Ein Grund zur Freude ist die Ankunft der neuen Thorarolle in Duisburg. Sie wurde von einem Sofer, einem Thora-Schreiber, in Israel in einjähriger Handarbeit angefertigt. Die Anschaffung - der Preis beläuft sich nebst Verzierungen auf rund 50. 000 Euro - bedeutet für die Gemeinde auch einen finanziellen Kraftakt. In ihrer langen Geschichte hat die Jüdische Gemeinde Duisburg einige Thora-Rollen kommen und gehen sehen.

"Mit den jüdischen Menschen waren immer auch ihre religiösen Ritualgegenstände bedroht", erklärt Heid, "die Juden haben immer versucht, den heiligsten Gegenstand ihrer Religion zu schützen. Eine Thorarolle würde niemals wegen altersbedingter Unbrauchbarkeit vernichtet, sondern auf dem jüdischen Friedhof begraben. Das geschah zuletzt vor ca. 80 Jahren durch den Gemeindevorsitzenden."

Am 29. September 1826 hatte die damals 57 Seelen zählende Gemeinde bei der Einweihung ihrer ersten Synagoge im ehemaligen Anatomiehaus auf der Universitätsstraße erstmals die Thora unter großer öffentlicher Anteilnahme in das Gebäude der 1808 aufgelösten Universität getragen. Ein weiteres bedeutsames Ereignis in der Geschichte der Gemeinde war 2001 die Einführung von zwei Thorarollen aus der iranischen Hauptstadt Teheran. "Ein diplomatisches Wunder, dem ein jahreslanges Tauziehen vorausgegangen war", erinnert Ludger Heid.

Der tragische Hintergrund der Überführung: In der Folge jahrelanger antijüdischer Politik der islamischen Republik hatten immer mehr Juden den Iran verlassen, die Teheraner Gemeinde drohte in Bedeutungslosigkeit zu versinken. Die Thorarollen kamen jedoch nur als Leihgabe nach Duisburg. Man werde, so der damalige Vorsitzende Jacques Marx, sicher 99 Jahre benötigen, um alle Formalitäten einer Rückgabe zu erfüllen.

(RPN)