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Duisburg: Neue Schätze in der Historischen Stube

Duisburg : Neue Schätze in der Historischen Stube

Am Eingang der Historischen Stube begrüßt die Besucher seit dem Wochenende die Polizei. Natürlich nicht aus Fleisch und Blut, sondern eine große brünette Schaufensterpuppe, gekleidet in der inzwischen ausrangierten grün-beigen Uniform.

"Ich habe sie am Freitag aufgestellt und mich heute Morgen selbst erschreckt", gesteht Franz Gerd Gehnen, Archivar des Freundeskreises historisches Homberg, lachend. Im Zuge der Renovierung des Daches des Kultur- und Freizeitzentrums an der Augustastraße 48 hat das im Obergeschoss beheimatete Heimatmuseum einen neuen Anstrich bekommen. Die Wände strahlen wieder weiß, und der Verein nutzte das beim Streichen entstandene Chaos, um ein paar neue Stücke aufzustellen.

Erweiterung geplant

Viele der neuen Exponate stammen aus dem Nachlass von Karl Wiedenbrück, einem ehemaligen Mitglied des Freundeskreises. Von ihm erhielt das Museum eine Mignon Schreibmaschine der Firma AEG von 1903. "Dieses Modell war eine der ersten Schreibmaschinen", weiß Gehnen. "Da musste man noch jeden Buchstaben einzeln anwählen und tippen."

Einen Einlegeboden darüber befinden sich das Mitgliederverzeichnis des Bürgerschützenvereins Homberg-Hochheide 1650/1957 und das Schützensilber des Schützenvereins Essenberg 1862. Dass alles wieder sauber ist, verdankt der Verein einer professionellen Putzkolonne, die nach den Arbeiten am Dach einmal durch das Museum gewirbelt ist. "Wir hatten zwar so viel wie möglich mit Planen abgedeckt, um die Sachen zu schützen, aber der Staub kommt ja trotzdem überall hin", sagt Rheinhard Stratenwerth. Sprecher des Freundeskreises.

Einen kleinen Raum mit mannshohen Regalen zeigt Gehnen den Besuchern derzeit am liebsten, obwohl dort nichts ausstellungsreif präsentiert ist — ganz im Gegenteil: Dort lagern Gegenstände, die in der geplanten Erweiterung des Museums um die angrenzende leerstehende Hausmeisterwohnung einen Platz finden sollen. Dort plant Gehnen eine Küche im Stil der 20er Jahren einzurichten. So stapeln sich in den Regalen bereits Küchengeräte wie Fleischwolf, Kartoffelpresse, Schnibbelbohnenmaschine, ein Melitta-Filter aus Porzellan oder eine Metallwärmflasche von 1882.

Zwischen all den alten, oft hervorragend erhaltenen Sachen wird man nostalgisch: "Manchmal will man wieder so eingerichtet sein. Also modern leben, aber mit den alten Sachen", träumt Gehnen, während er einen Topf aus schwerem grau-blauen Steingut liebevoll in der Hand wiegt. Für eine ebenfalls geplante Trinkhalle hat er bereits Bonbongläser und Tabakwaren zusammengetragen. Auch ein Kiosk mit Zwiebelturm und Theke befindet sich schon im Besitz des Freundeskreises.

(son)