Duisburg: Neue High-Tech-Halle für Sportmedizin

Duisburg : Neue High-Tech-Halle für Sportmedizin

Die BGU in Großenbaum hat mit dem "Athletikum Rhein-Ruhr" ihr neues Herzstück im Bereich Sportmedizin und Rehabilitation eröffnet. Geeignet ist es für Patienten, Profi- und Amateursportler.

Andreas Wiegel hat ein klar definiertes Ziel vor Augen: Der Fußballprofi des MSV Duisburg möchte bald wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren und Zweitligapartien bestreiten. Exakt vor einem halben Jahr hatte sich der Mittelfeldspieler beim Auswärtsduell gegen den FC St. Pauli das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen.

Seine letzten Reha-Maßnahmen absolviert der Zebra-Kicker derzeit im "Athletikum Rhein-Ruhr". So heißt das neue Zentrum für Prävention, Rehabilitation und Leistungsdiagnostik, das die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik (BGU) in Großenbaum in der vergangenen Woche offiziell eröffnet hat.

"Wir wollen die Sportmedizin als weiteren Schwerpunkt im Angebot der BGU etablieren. Und das Athletikum ist bei diesem Vorhaben quasi unser Herzstück", sagt Dr. Christian Schoepp. Er ist an der BGU der Chefarzt der Klinik für Arthroskopische Chirurgie, Sporttraumatologie und Sportmedizin. Und gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Falk Ullerich übernimmt er beim MSV auch den Posten des Teamarztes.

Schoepp betont gleich zu Beginn, dass die neue High-Tech-Halle nicht nur der Betreuung von Profisportlern dient. Sowohl Amateur- und Jugendspieler als auch BGU-Patienten könnten ebenfalls von diesem neuen Angebot profitieren. "Interessierte Sportmannschaften könnten sich nach Abschluss ihrer Sommer- oder Wintervorbereitung von uns durchscreenen lassen. Wir können falsche Bewegungsabläufe aufzeigen, Trainingstipps geben und so aktiv helfen, um Sportverletzungen zu verhindern", zählt Schoepp auf.

Am Eröffnungsmorgen ist ein besonderer Gast im "Atheltikum" zugegen: Mike Antoniades. Der frühere Athletikcoach des Champions-League-Siegers FC Chelsea London steht am Speed-Court. Das ist eine mit zahlreichen Sensoren ausgestattete Matte. Über einen Großmonitor bekommt der Sportler angezeigt, welche Laufwege er auf dieser Matte zurücklegen muss. Jede Bewegung wird vermessen, erfasst und landet in einer Datenbank.

MSV-Kicker Andreas Wiegel eilt auf das visuelle Kommando von einer Ecke der Matte in die andere. "Achte darauf, wie du mit den Fuß aufsetzt", empfiehlt Antoniades auf Englisch. Kurze, schnelle Schritte und das Aufsetzen mit dem Vorderfuß, nicht mit der ganzen Sohle seien ratsam, um Richtungsänderungen in hohem Tempo vornehmen zu können. Wiegel lauscht aufmerksam und verändert den Bewegungsablauf wie gefordert. Die Korrektur wird etliche Male wiederholt - bis sie der Körper als Automatismus von allein abruft.

Nach Wiegel geht ein BGU-Patient im Rollstuhl auf die Matte. Der junge Mann, der namentlich nicht genannt werden will, ist seit einem Motorradunfall querschnittsgelähmt. Auch für ihn bietet das "Athletikum" neue Trainingsmöglichkeiten. "Das gilt aber auch für Menschen mit Unterschenkel-Amputationen, die hier bei uns in der Reha sind", sagt Schoepp. "Wenn sie ihre Prothese erhalten haben, könnte auf dem modernen Laufband eine Laufanalyse erfolgen."

Schoepp und sein sechsköpfiges Team hoffen, dass das "Athletikum" angenommen wird. "Etwas Vergleichbares gibt es in der gesamten Region nicht. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal", so Schoepp. Wann genau Andi Wiegel ins MSV-Mannschaftstraining zurückkehren kann, sagt Schoepp nicht. "Doch die Möglichkeiten hier liefern uns objektive Daten, wann dieser Schritt Sinn macht", so Schoepp.

(RP)