Duisburg: Neue Fahrradwerkstatt im SPZ

Duisburg: Neue Fahrradwerkstatt im SPZ

Im Homberger Sozialpsychiatrischen Zentrum gibt es jetzt eine Fahrradwerkstatt, die Räder zur Reparatur annimmt. Die Handwerker der "Fahrradgruppe" erledigen die Arbeiten und schrauben aus alten Drahteseln neue zusammen. Das hat praktischen und therapeutischen Nutzen.

Hochheide Die Werkzeugwand ist gut sortiert. Eine provisorische Aufhängevorrichtung für Räder, selbst konstruiert aus Seilen und Haken, ist simpel, erfüllt aber ihren Zweck. Die neue Fahrradwerkstatt im Keller des Homberger Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) ist klein, aber groß genug, und sie ist hell und funktionell. "Ab jetzt könnten wir ein bisschen mehr Arbeit gebrauchen", sagt Therapeut Uwe Kloetzing: Die Kunden dürfen kommen.

In das Sozialpsychiatrische Zentrum kommen Menschen mit seelischen Problemen, seien es Angsterkrankungen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen.

Bedarf an "neuen" alten Rädern

Zum Angebot des Hauses für seine Klienten gehört eine "Fahrradgruppe". Bisher gab es für die nur einen kleineren Werkraum, in dem allenfalls die Räder anderer Klienten wieder instand gesetzt oder die wenigen hauseigenen Drahtesel wieder flott gemacht wurden.

Ab sofort, nach dem Umzug in die größere Werkstatt, können jetzt auch Privatleute ihre Fahrräder zur Reparatur abgeben. Außerdem werden ausgediente Räder als Spenden dankbar angenommen: "Wenn wir ausgemusterte Räder bekommen, machen wir aus dreien oder vieren eins", erzählt Kloetzing. Die werden dann für kleines Geld an andere Klienten des Hauses abgegeben: "Der Bedarf ist groß."

"Viele unserer Klienten können öffentliche Verkehrsmittel wegen ihrer Ängste nicht nutzen, und ein Auto können sie sich nicht leisten", ergänzt Kloetzings Kollegin Andrea Kunze. Dabei sei es besonders wichtig für die Besucher, mobil zu sein: "Psychiatrische Erkrankungen gehen häufig mit einer Rückzugstendenz einher. Dem wollen wir entgegenwirken." Für die Mitglieder der Fahrradgruppe wiederum hat das Werkeln und Reparieren therapeutischen Nutzen. "Sie tun was Sinnvolles", erläutert Kunze. Viele hätten keine Arbeit, "sie haben das Gefühl, sie sind überflüssig, und sie bekommen ja auch wirklich gesagt: Ihr könnt sowieso nichts mehr."

Kein kommerzielles Interesse

In der Fahrradwerkstatt erfahren und beweisen die Hobby-Handwerker das Gegenteil. "Da erfüllen sie einen Bedarf", führt Uwe Kloetzing weiter aus, "da kommen Leute mit einem Platten und fahren glücklich wieder weg." Je mehr Räder also in Zukunft in den Keller der Einrichtung rollen, desto besser.

Das neue Angebot ist ausdrücklich nicht kommerzieller Natur. Es werden nur die Materialkosten für Reparaturen verlangt: "Ansonsten geben Sie, was Sie möchten." Dafür kann die Erledigung von Aufträgen schon mal ein, zwei Wochen dauern: Es gibt keinen Zeitdruck, die Fahrradgruppe trifft sich derzeit für fünf Stunden in der Woche. Einnahmen, die durch Spenden zusammenkommen, sollen weiter in die Werkstatt investiert werden.

(RP)