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Duisburg: Nachhaltende Folgen der Loveparade-Katastrophe

Duisburg : Nachhaltende Folgen der Loveparade-Katastrophe

Die Loveparade-Opfer und deren Angehörige leiden nach wie vor unter dem furchtbaren Unglück und versammeln sich am heutigen Donnerstag zum Gedenken abseits der Öffentlichkeit.

Mit der "Nacht der tausend Lichter" startete am Mittwochabend im Karl-Lehr-Tunnel das öffentliche Gedenken an die Opfer der Loveparade-Katastrophe vor vier Jahren. Am Ort des Schreckens an der Tunnelrampe ist eine würdevolle Gedenkstätte entstanden, an der Opfer und Hinterbliebene der Toten heute ein weiteres Mal versuchen können, das Unfassbare aufzuarbeiten oder sich ihren getöteten Töchtern und Söhnen nahe zu fühlen. Sie wollen dabei unter sich bleiben. Der vierte Jahrestag bietet die Möglichkeit, auch einmal zurückzublicken auf das, was sich seit dem 24. Juli 2010 in und für Duisburg verändert hat.

Der Oberbürgermeister im Jahr 2010, Adolf Sauerland, wurde abgewählt, weil in ihm viele Duisburger denjenigen gesehen haben, der die politische Verantwortung für das furchtbare Unglück hätte übernehmen müssen.

Die Amtszeit von Rechtsdezernent Wolfgang Rabe wurde vom Rat der Stadt nicht mehr verlängert, der damit deutlich gemacht hat, dass er den Juristen ebenfalls für verantwortlich an der Katastrophe hält. Bei Rabe waren die Fäden der Planungen zusammengelaufen.

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Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und hat bekanntlich weder Rabe noch Sauerland angeklagt, wohl aber den pensionierten Planungsdezernenten Jürgen Dressler. Er hätte sich nach ihrer Meinung bei Planung und Durchführung mehr einmischen müssen, als er es getan hat. Fehler der Polizei sieht die Staatsanwaltschaft hingegen nicht.

Sören Link, Nachfolger von Sauerland, fand bei der Gedenkveranstaltung zum ersten Jahrestag bei seiner Ansprache die richtigen Worte und suchte das Gespräch mit den Opfern bzw. mit den Organisationen, in denen sie sich zusammengefunden haben. Unter seiner Amtsführung wurde die Loveparade-Gedenkstätte am Karl-Lehr-Tunnel realisiert. Unter ihm wurden auf dem Bahnhofsvorplatz 21 Magnolien in Kübeln aufgestellt, für jeden der Getöteten einer. Das alles hat ihm Sympathien eingebracht.

Die Stadtspitze selbst neigt dazu - anfangs noch zurückhalten, inzwischen deutlich offensiver - Fehlentwicklungen gerade bei der Stadtentwicklung noch immer auf dieses Unglück zurückzuführen. In der Tat haben die Katastrophe und die monatelange nationale und auch internationale Berichterstattung sowie die anfangs wie gelähmt auftretende Stadtspitze Duisburg sehr geschadet. Doch der Abwärtstrend setzte schon vor dem 24. Juli 2010 ein.

Wenn die Innenstadtentwicklung aus dem Fokus rückt, weil Politiker meinen, dass die Musik lauter in den Außenbezirken spielen muss, dann schwächt dies die City nachhaltig. Wenn die Handlungsmöglichkeiten einer Stadtspitze durch Beschlüsse einer politisch anders denkenden Mehrheit ausgehebelt werden, dann ist das ein genau so schlechtes Signal wie die Erhöhung von Gewerbe- und Grundsteuern oder ein Umgang mit Investoren, der (zum Beispiel am Klinikum) eher von Misstrauen als Vertrauen geprägt ist.

Nach der Loveparade wurde dieser Zustand der wenig guten Signale noch erheblich verschärft. Die CDU im Stadtrat tauchte quasi unter aus der Sorge heraus, dass sie bei jedem Wort der Kritik sofort daran erinnert werden könnte, dass schließlich ihr OB an allem Schuld ist. Bis heute hat sich daran wenig geändert. Die SPD wusste diese Situation zu nutzen und ging zunächst deutlich gestärkt aus der Katastrophe hervor, unbeeindruckt davon, dass sie wie alle anderen Fraktionen im Rat für die Loveparade gestimmt hatte. Die Partei konnte nach dem verhängnisvollen Samstag vor fünf Jahren nicht nur einen der Ihren auf den Oberbürgermeisterstuhl setzen, sondern auch Spitzenpositionen in der Verwaltung und in städtischen Unternehmen mit ihren Vertrauten besetzen, das Ruder in der Stadt also wieder ganz übernehmen - so wie es über Jahrzehnte der Fall war.

An der Wahl von Sören Link beteiligten sich bekanntlich erschreckend wenige Duisburger, und die niedrige Wahlbeteiligung bei der der Kommunalwahl im Mai unterstreicht ebenfalls, wie gering das Vertrauen der Bürger in Stadtspitze und -politik ist - nicht nur, aber auch wegen der Loveparade-Katastrophe. Auf der anderen Seite schoben sich nach dem 24. Juli 2010 immer mehr Gruppen in den Vordergrund, die sich als wahres Sprachrohr der Bürger verstehen. Und dass seit wenigen Wochen Rechtspopulisten im Stadtrat sitzen, das ist - auf gar keinen Fall nur, aber auch - Folge eines anhaltenden Vertrauensverlustes durch die Katastrophe in einer Stadt, deren Abwärtstrend anhält.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Zugangsrampe - der Unglücksort

(RP)