Nach der Brandstiftung: Bürgerverein will Burg Böckum in Huckingen retten

Polizei geht von Brandstiftung aus : Bürgerverein will die Burg retten

Wieder hat auf Gut Böckum ein Gebäude gebrannt. Der Bürgerverein Huckingen will den Verfall von Duisburgs einziger Wasserburg nicht länger hinnehmen.

Nach dem erneuten Brand auf dem historischen Gut Böckum hofft die Polizei auf Zeugenhinweise, die zur Aufklärung beitragen können. Am Samstag war dort ein leerstehender ehemaliger Hühnerstall ausgebrannt. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. 2016 und 2017 hatten dort auch schon einstige Ställe gebrannt. Die Sorgen um Duisburgs einzige erhaltene Wasserburg erhalten durch das jüngste Feuer neue Nahrung.

„Wir gehen davon aus, dass jemand den Brand gelegt hat“, sagt ein Polizeisprecher. Zu diesem Schluss kommen die Beamten, weil sich in dem Stallgebäude kaum noch Elektroinstallation oder anderes entzündliches Material befand. Rund 40 Minuten brauchte die Feuerwehr, um den Brand zu löschen. Etwas anderes als der Hühnerstall war nicht betroffen. Die Brandursache dürfte herauszufinden sein; die Ermittler sind dran. Weniger einfach wird es sich gestalten, den Feuerleger zu finden. „Ohne Zeugenaussagen wird das schwierig.“

Gut Böckum ist Duisburgs einzige erhaltene Wasserburg. Seit 1991 steht das gesamte Gebäudeensemble unter Denkmalschutz. Die Hauptburg selber existiert zwar nicht mehr, immerhin aber die Vorburg samt Spuren einer ehemaligen Zugbrücke. Nach Erkenntnissen von Heimatforscher Dietmar Ahlemann befand sich auf dem Gelände ursprünglich ein Hof, der zwischen 1450 und 1550 zur Burg ausgebaut wurde. Weitere Erkenntnisse sollten eigentlich archäologische Grabungen zutage bringen, die in Zusammenhang stehen mit dem geplanten Umbau von Gut Böckum zu Luxuseigentumswohnungen. Dieser Umbau verzögert sich allerdings immer weiter. Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb die Familie von Spee das Gelände, 2011 verkaufte sie das Gut Böckum weiter an den Berliner Investor S + P. 2013 wurden dessen Pläne bekannt, dort Luxuswohnungen zu errichten. Den Bürgerverein Huckingen und die Interessengemeinschaft zum Erhalt von Gut Böckum erfüllte das mit Hoffnung: Ein Investor, der das marode Baudenkmal saniert und ausbaut, könnte die Rettung für die Burg bedeuten. Diese Hoffnung zerschlug sich erstmal, als S + P die einstige Wasserburg 2017 weiterverkaufte. Seitdem ruht das Bauvorhaben trotz inzwischen vorliegender Genehmigung. Über den neuen Investor ist noch nichts bekannt.

Auch wenn bei dem jetzigen Brand das Gut Böckum nicht weiter beschädigt wurde: Der Burg geht es „nicht gut“, sagt Heimatforscher Dietmar Ahlemann. Ein Spalt auf der südöstlichen Seite des Gebäudes, der vor ein paar Jahren noch wenige Zentimeter gemessen habe, sei „jetzt handtellergroß“. Für den Bürgerverein Huckingen, dessen Mitglied Ahlemann ist, kündigt er an: „Wir wollen Druck machen, dass da etwas passiert.“

Sicherungsmaßnahmen sollen verhindern, dass aus Gut Böckum ein zweites Gasthaus Petermann wird: Bei dem Gebäude aus dem Barock verzichtete man darauf, bis es einstürzte. Die Geschichte von Gut Böckum soll besser ausgehen. Demnächst wird es einen Ortstermin zwischen Bürgerverein und Stadt geben.

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