1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Nach Ausweis fragen

Duisburg : Nach Ausweis fragen

In Rheinhausen sind in jüngster Vergangenheit Verkäufer der Obdachlosenzeitung "fiftyfifty" unterwegs, dieim Stadtgebiet gar nicht legal verkaufen dürfen. Gerade sie legen ein aggressives Verkaufsverhalten an den Tag.

rheinhausen Sie sind aus dem Rheinhauser Straßenbild nicht wegzudenken: Obdachlose, die Passanten am Marktforum oder in der Fußgängerzone das Magazin "fiftyfifty" anbieten. Für sie ist der Verkauf der Straßenzeitung (über)lebenswichtig, häufig die einzige Möglichkeit mit ihrer eigenen Hände Arbeit etwas Geld zu verdienen. Roswitha Krüger weiß das. Deshalb gehört die Rheinhauserin schon seit vielen Jahren quasi zu den Stammkunden der "fiftyfifty". Doch in jüngster Vergangenheit hat sie beim Anblick mancher Zeitungsverkäufer ein ungutes Gefühl im Bauch.

"Dann werden die sogar frech"

"Ich treffe zunehmend auf Jugendliche, die die 'fiftyfifty' verkaufen und nicht aussehen, als ob sie auf der Straße leben würden", berichtet Krüger. Sie seien überwiegend ordentlich gekleidet und sprächen oft nur gebrochen Deutsch. "Beim Verkaufen gehen die richtig aggressiv vor. Und wenn man nicht kaufen will, dann werden die sogar frech", klagt die Rheinhauserin. Roswitha Krüger hat einen Verdacht: "Es könnte sich um Trittbrettfahrer handeln, die sich schamlos auf Kosten der wirklich Bedürftigen bereichern wollen."

Bei der Obdachlosenhilfe "Duisburger Tafel", die die Zeitung an die hiesigen Verkäufer herausgibt, kennt man das Problem nur zu gut. "Tafel"-Geschäftsführer Günter Spikofski bestätigt: "Bei uns häufen sich die Beschwerden über aufdringliche Verkaufspraktiken." Mitte November vergangenen Jahres seien die ersten Fälle aus der Duisburger Innenstadt gemeldet worden. "Eigentlich nichts besonderes, weil dann häufig Trittbrettfahrer versuchen, am besseren Weihnachtsgeschäft zu partizipieren." Doch die Klagen hielten weiter an. Laut Spikofski handelt es sich bei den aggressiven Konkurrenten auf dem lokalen "fiftyfifty"-Markt vor allem um Wohnungslose aus Düsseldorf, die den angestammten Verkäufern in Duisburg das Revier streitig machen wollen.

"Der Sache sind wir mit Hilfe der Polizei begegnet", erzählt der "Tafel"-Geschäftsführer. Dank der Platzverweise, die die Ordnungshüter den Düsseldorfer Obdachlosen erteilt hätten, sei es in der Duisburger Innenstadt mittlerweile ruhig geworden. Dafür würden die Zeitungsverkäufer nun verstärkt in die Außenbezirke drängen, zum Beispiel nach Rheinhausen. Spikofski glaubt, dass die Entwicklung mit der Angebotssituation in der Landeshaupstadt zusammenhängt. "In Duisburg verkaufen offiziell 70 Obdachlose die 'fiftyfifty', in Düsseldorf sind es 400."

Ansehen in Gefahr

Der "Tafel"-Geschäftsführer appelliert an die Wachsamkeit der Bürger, denn für eigene Zeitungskontrolleure auf Duisburgs Straßen fehle der Obdachlosenhilfe das Geld und die Polizei könne nicht überall sein. Vielmehr fürchtet Günter Spikofski wegen der "schwarzen Schafe" um das Image der "echten" Verkäufer und die Spendenbereitschaft der Bürger. Roswitha Krüger lässt sich nicht abschrecken. Sie wird weiterhin die "fiftyfifty" kaufen, aber sie wird genau darauf achten, wer sie anbietet.

(RP)