Duisburg: Musikalische Reise zu den Nibelungen

Duisburg: Musikalische Reise zu den Nibelungen

Im Rahmen der Akzente fand in der Zentralbibliothek die musikalische Lesung "Nibelungen Reloaded" statt. Es war eine interessante Mixtur aus musikalischen Beiträgen und intelligenten Texten.

Dass das diesjährige Akzente-Thema "Nie wieder Krieg" nur ein frommer Wunsch ist, unterstreicht die tägliche Nachrichtenlage. Trotzdem befassen sich vor allem Künstler immer wieder dem Wunsch nach Frieden und der vernichtenden Entstehung von Kriegen. Der Bochumer Autor Werner Streletz schrieb im Auftrag eines Freien Theaters ein Stück zur Nibelungen-Sage. Über die Entstehung des Stücks und der Umstände des Schreibens in einem Haus in der Provence entstand wiederum ein Buch unter dem gleichnamigen Titel "Volkers Lied der Nibelungen". Gemeinsam mit dem Duisburger Musiker - und Autor - Zepp Oberpichler las er unter dem Titel "Nibelungen Reloaded" daraus vor.

Beiden gelang damit eine gleichsam unterhaltsame wie interessante Lesung, mit der die Akzente-Macher unterstrichen, dass ihr Programm nicht allein aus Gastspielen großer Namen besteht und das Ruhrgebiet literarisches Potenzial hat. Unterhaltsam war es, weil Werner Streletz nicht nur ein guter Erzähler, sondern auch ein guter Vorleser ist. Und unterhaltsam war es auch, weil Zepp Oberpichler auf der Gitarre den Soundtrack für ein "altertümliches Roadmovie" lieferte. Und interessant, weil Oberpichler Originaltexte aus dem Nibelungen-Lied in mittelhochdeutsch vorlas, die wohl die wenigsten der 50 Zuhörer in Gänze verstanden. Da Werner Streletz die Inhalte der Textpassagen wiederum jeweils aufgreift, wird der Inhalt jedoch klar. Erzählerisch interessant, weil Streletz auf mehreren Ebenen unterwegs ist: Als Autor, der sich zum Schreiben in die Provence zurückzieht, als Volker von Alzey der heutigen Zeit, wie der wohl über die ganze Nibelungensache denkt und was er so fühlt zwischen "Schwert und Leier", wie er seine Protagonisten beschreiben könnte (Siegfried als der wahr gewordene Traum aller Oberstufenschülerinnen und Brünhild ein bärenstarkes Superweib, Hagen als typischer Fiesling aus einem Hollywood-Streifen) und das zu schreibende Theaterstück anlegen will. Und dann ist da noch der Mensch Werner Streletz, der während seines Aufenthalts in der Provence die Nachrichten von der Katastrophe von Fukushima hört und das Gefühl hat, dass angesichts eines solch unfassbaren Unheils die Nibelungensage zu einem Comic oder einem surrealen Schwarz-Weiß-Film à la Fritz Lang wird.

Zepp Oberpichler und Werner Streletz haben sich schon vor Jahren auf einer Veranstaltung in Bochum kennengelernt, auf der Streletz moderierte und der Duisburger sein Buch "Gitarrenblut" vorstellte. "Dass ich bei meinen Lesungen auch immer singe, fand er gut", schildert Oberpichler das erste Zusammentreffen. Nach einer gemeinsamen Reise in die USA, zu der ein Verlag mehrere Autoren aus dem Ruhrgebiet eingeladen hatte, beschlossen beide mal "gemeinsame Sache" zu machen. Es entstanden mehrere Projekte, wovon eines "Nibelungen Reloaded" wurde und zur Uraufführung des Stücks erstmals dem Publikum präsentiert wurde.

Jan-Pieter Barbian, Direktor der Stadtbibliothek war begeistert: "Bei den ,Akzenten' ist natürlich viel Prominenz vertreten, aber wir wollen auch die weniger bekannten Autoren der lokalen Literaturszene einbinden", sagte er.

(awi)