1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Musical: Ein Hauch von New York

Musical : Ein bisschen New York in Rheinhausen

„Die Brücken am Fluss“ wurden 1995 weltberühmt. Jetzt machte die Geschichte in Duisburg Station.

Liebe könnte so einfach sein. Aber wenn sie einfach wäre, fehlte es ihr dann nicht an musicalreifer Spannung?

Es war eben jene Spannung, jene Neugier auf den sprühenden Funken, der am Samstag in der Rheinhausen-Halle zu spüren war. Die Konzertdirektion Landgraf brachte das Musical „Die Brücken am Fluss“ auf die Bühne. Es blieb nahezu kein Sitzplatz frei. Zuschauer unterschiedlichen Alters kamen, um sich das Musical anzusehen.

Eine davon war Justine Hohmann. Sie las bereits Robert James Wallers Roman „The Bridges of Madison County“. „Als ich gesehen habe, dass das Stück hier aufgeführt wird, hat mich das sehr gefreut“, sagte die 67-jährige. „Der Broadway war damals doch ein bisschen weit weg...“. 2014 lief das Theaterstück in New York – weltberühmt wurde die Geschichte bereits 1995 durch die Verfilmung mit Meryl Streep und Clint Eastwood.

In Rheinhausen waren nun das Musical aus der Feder von Jason Robert Brown und Marsha Norman zu sehen. Ein zunächst etwas zäher, später aber erstklassig unterhaltsamer Abend. Stühle zieren den Küchenraum. Kurzerhand wird daraus ein grüner Platz unter einer Brücke. Maike Switzer glänzte in der Rolle der verheirateten Farmersfrau Francesca. Als sie den Fotografen Robert (Christian Alexander Müller) kennenlernt, nimmt ihr Leben eine Wende. Robert ist gekommen, um die Brücken von Madison County zu fotografieren und fragt Francesca nach dem Weg. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Im Gegensatz zum trägen Ehegatten Bud (mit Kappe und Karo-Hemd: Udo Eickelmann) verkörpert Robert den modernen Mann von Welt.

Zwischen Country und opernhaften Gesängen schaffen die Ensemblemitglieder ein harmonisches Bild. Im Ohr bleiben Lieder wie „When I’m Gone“ und das Liebesduett „One Second and a Million Miles“. Die Welt scheint auf die Größe einer Brücke geschrumpft. Dabei hielten die Schauspieler der Gesellschaft den Spiegel vor: Unterdrückte Sehnsüchte, Liebeshierarchien und der Kampf zwischen Alltagstristesse und Abenteuer sind auch im wahren Leben zu finden.

Nachdenklich stimmte der Schluss der wirklich gelungenen Aufführung: Erst die Unendlichkeit führt das Paar zusammen. Für die gegen Ende schauspielerisch entspannter werdende Darbietung gab es großen Applaus vom Publikum, das vom Musical sichtlich angetan war. Vor dem Ensemble liegen nun weitere Stationen: Erst gastiert es im Hanau, dann im fränkischen Fürth bei Nürnberg.