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Duisburg: Mozart in der Industriearchitektur der Gebläsehalle

Duisburg : Mozart in der Industriearchitektur der Gebläsehalle

Die inspirierende und mitreißende Künstlerische Leitung hatte der Ausnahmegeiger Radoslaw Szulc.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie gut die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart in die Industriearchitektur der Gebläsehalle im Landschaftspark Nord passt. Die meist heiteren, in jedem Fall aber zutiefst menschlichen Klänge des Salzburger Meisters verbinden sich leichtfüßig mit der "ehrlichen" Umgebung.

So war es auch jetzt wieder beim dritten und diesjährigen Kammerorchesterkonzert der Volksbank Rhein-Ruhr. Es spielte das "Mozart Akademie Orchester", bestehend aus einigen wenigen Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker sowie vor allem Studierenden des Orchesterzentrums NRW (Dortmund) und Stipendiaten der Villa Musica (Rheinland-Pfalz). Das waren diesmal 30 besonders begabte junge Menschen aus 17 Nationen von Albanien bis Weißrussland. Die offenbar besonders inspirierende und mitreißende Künstlerische Leitung hatte der Ausnahmegeiger Radoslaw Szulc, seines Zeichens erster Konzertmeister im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (München).

1779 begann Mozart mit der Komposition einer Sinfonia concertante A-Dur KV 104 (320e) für Violine, Viola, Violoncello und Orchester. Das Autograph bricht im ersten Satz schon nach 134 Takten ab, die Solostimmen sind bis dahin vollständig notiert, die Orchesterbegleitung fehlt mitunter. Philip Wilby hat das Fragment stilgerecht komplettiert. Das war in der Gebläsehalle eine willkommene Begegnung - allerdings wurde auch hörbar, warum der Komponist dieses Projekt nicht weiter verfolgt hatte. Die Solisten steckten hier jedenfalls ihre ganze Überzeugungskraft in die Aufführung, es waren neben Szulc der 1981 geborene Wen Xiao Zheng, Solobratscher bei den BR-Symphonikern, und Folkwang-Professor Alexander Hülshoff. 1773, also mit 17 Jahren, schrieb Mozart sein erstes Violinkonzert B-Dur KV 207 - kein Wunder, war doch sein Vater Leopold der wohl größte Geigenlehrer seiner Zeit.

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Szulc spielte hier als Solist auch im Tutti mit, ganz so wie es Mozart vorgeschrieben hat, und sorgte für eine ebenso temperamentvolle wie genaue Darstellung. Hülshoff saß nun mit im Orchester. Die Zugabe sagte Szulc so an: "Jetzt kommt noch etwas von einem Freund von mir, der hinter den sieben Bergen wohnt. Er heißt Lazar und hat eine Teufelsgeige gebaut. Sie können selbst entscheiden, welche von diesen beiden Geigen die Teufelsgeige ist." "Wenni" Zheng bediente dabei eine Große Trommel.

1788 schließlich schuf Mozart seine große Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550. Abgründe und Feinheiten sind zu meistern, eine Balance zwischen Leidenschaft und Fingerspitzengefühl. Szulc hatte den Dirigentenstab ergriffen, Zheng saß nun auch mit im Orchester. Das Ergebnis begeisterte alle.

(hod)