Duisburg: Molières "Eingebildeter Kranker" für die Lesebühne

Duisburg : Molières "Eingebildeter Kranker" für die Lesebühne

Wolfgang Hinze fängt Molières beißenden Spott sprachlich herrlich ein.

Ob Lessing, Heine oder jetzt Molière: Klassiker der Weltliteratur sind bei Wolfgang Hinze in guten Händen. Bibliotheksdirektor Dr. Jan-Pieter Barbian sagte das bei seiner heiteren Begrüßung am Mittwochabend in der Zentralbibliothek. Und wünschte dem Publikum "Gesundheit!" in Erwartung der "Krankengeschichte der besonderen Art", die der renommierte Schauspieler vorbereitet hatte. Wolfgang Hinze las nicht nur einen Text vor, vielmehr hatte er Molières Komödie "Der eingebildete Kranke" so bearbeitet, dass sie auch für die "Lesebühne" gut funktionierte. Wolfgang Hinze brauchte dafür keine große Einleitung: Die wenigen Stufen zur Bühne nahm er gespielt ächzend, wie es sich für den eingebildeten Kranken Argan gehört. Für jede Person des Stücks hatte Hinze einen eigenen Tonfall, sei es der Doktor Purgon, der Apotheker Fleurant, die erbschleichende Frau Belinde, die tüchtige Magd Toinette oder auch die geliebte Tochter Angelique, die um nichts in der Welt den vom Vater ausgesuchten Quacksalber-Arzt, sondern ihren Cleante heiraten möchte. Herrlich, wie Hinze den beißenden Spott Molières sprachlich einfängt. Ist eine Regieanweisung zum Verständnis nötig, lässt Hinze sie fast nebenbei einfließen. Und wenn Personen die imaginäre Bühne verlassen, dann deutet er das mit einer Handbewegung an. So schafft es Hinze, die ironisch-heitere Struktur des Bühnenstücks stets in Spannung zu halten.

Pointe am Rande: Wolfgang Hinze hatte an dem Abend einen nicht eingebildeten Schnupfen. Wenn er gelegentlich das Taschentuch benutzte, tat er dies aber so, als spiele er Argan.

(pk)
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