Duisburg: Möhnen erobern das Ersatz-Rathaus

Duisburg : Möhnen erobern das Ersatz-Rathaus

Mit einem dreifachen "Homberg Helau" stürmten die jecken Weiber in die Glückauf-Halle, fesselten den Bezirksbürgermeister an den Marterpfahl und genossen die Feier.

Um 11.11 Uhr hallte gestern die Kampfansage über den Parkplatz der Glückauf-Halle: "Möhnen, alle zum Eingang — jetzt wird gestürmt und die Frauen übernehmen die Macht!" Hombergs erster Mann Hans-Joachim Paschmann hatte es sichtlich schwer, sich gegen die 80 "alten Weiber" durchzusetzen. In nur wenigen Minuten hatten die Damen den Schlüssel ergattert und eroberten gemeinsam die Halle.

Das Bild, das sich am Altweibervormittag in Homberg bot, konnte jecker nicht sein. Frei nach dem Motto "Karneval im Wilden Westen" durfte auch ein Marterpfahl auf der Bühne nicht fehlen. Natürlich war dieser "prominente" Platz für Hombergs Bezirksbürgermeister reserviert. Schneller als er gucken konnte, hatten ihn die Möhnen verschleppt, an den Pfahl gefesselt und ihm mit einem dreifachen "Homberg Helau" ihre "Macht" demonstriert. Hilflos und getrübt stand er da — vor ihm eine grölende Menge.

"Heute haben die Frauen das Sagen und der Paschmann ist gleich noch viel kleiner als er sowieso schon ist, oder vielleicht sogar tot", rief Obermöhne Brigitte Keller in die Menge. Sie war zusammen mit 50 anderen pompös verkleideten Weibern aus Moers angereist, um die Homberger Jecken zu unterstützen. "Wir sind schon ewig dabei und genießen die närrischen Tage jedes Jahr aufs Neue", verdeutlichte Brigitte Keller vom Kulturausschuss Grafschafter-Karneval. "Bereits seit 50 Jahren lasse ich mir das Spektakel nicht entgehen. Begonnen habe ich als Tanzmariechen. Und zusammen mit meinen Mädels genieße ich heute als altes Weib den Tag."

Doch bevor auch Hans-Joachim Paschmann die ausgelassene Stimmung genießen konnte, zwangen ihn die Möhnen zu einer Privattanzvorführung mit seiner Frau. Wie gemein! "Tanzen ist doch wirklich nicht mein Ding. Ich denke, die Strafe tut meiner Frau mehr weh, als mir", sagte Paschmann und zwinkerte dem närrischen Publikum zu. Mit leichtem Hüftschwung und roten Bäckchen wirbelte der Bürgermeister seine Gattin zu "Der wilde wilde Westen" von Truck Stop über die Bühne — die Möhnen genossen es. Auch die Kätzchen Angelika Bösch und Monika Cooberg schunkelten im Takt und gaben sich der fünften Jahreszeit hin.

"Wir kommen jedes Jahr am Altweiberdonnerstag zum Möhnensturm und feiern ordentlich mit", sagte die weiß-schwarz getigerte Katze Angelika. "Am Samstag feiern wir dann auf dem Karnevalszug und am Rosenmontag geht es vielleicht in die Duisburger Innenstadt."

Zahlreiche Tanzgruppen der ansässigen Karnevalsvereine waren natürlich auch mit dabei und verliehen der Möhnen-Party im "Wilden Westen" Glanz und Eleganz. In funkelnden Tutus heizten die Tanzmariechen der Menge ein. Mit dabei waren die KG Narrenzunft Homberg 1957, die KG Grafschafter Funken Rot-Weiß 1987 Moers und der Elferrat der Kolpingfamilie Homberg. Unterstützt wurden die Karnevalisten durch den Feuerwehrverein Homberg.

Die Glückauf-Halle war übrigens ein würdiger Veranstaltungsort. Viele fleißige Heinzelmännchen von den Karnevalsvereinen und dem Bezirksamt hatten die Räumlichkeiten in einen riesigen Saloon verwandelt. "Die geschmückte Halle ist ein klasse Ort, um den Möhnensturm zu feiern", fand auch Mahmut Özdemir, der seit der vergangenen Bundestagswahl zur Lokalprominenz zählt. "Das Ersatz-Rathaus bietet alles, was wir brauchen, um die fünfte Jahreszeit gebührend zu feiern."

(RP)
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