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Duisburg: Mit Zwang zurück zur Schule

Duisburg : Mit Zwang zurück zur Schule

Chronische Schulverweigerer gibt es bereits unter Fünft- und Sechstklässlern. Die Gründe reichen vom Mobbing in der Schule bis zur Gleichgültigkeit der Eltern. Schul- und Jugendamt reagieren mit unterschiedlichen Maßnahmen.

Es gibt wohl nur wenige Schüler, die nicht schon mal ein Stündchen geschwänzt haben. Wirklich zum Problem wird das erst, wenn der Bummelant länger nicht zur Schule kommt. „Dann spricht man von Schulverweigerern“, sagt Wolfgang Reuter vom Schulamt der Stadt Duisburg. Für Gymnasiasten oder Realschüler ist die Konsequenz relativ einfach. „Die Schulen trennen sich von diesen Schülern, die oft aufgrund der Fehlzeiten schlechtere Leistungen zeigen“, sagt Reuter. Er ist bei der Schulaufsicht zuständig für die Hauptschulen in Duisburg. „Sie sind Sammelbecken für solche Problemfälle, denn sie dürfen keinen Schüler ablehnen.“

Wer Schulverweigerer wieder zum Lernen bringen will, muss Ursachenforschung betreiben. In manchen Fällen liege es tatsächlich an den Eltern, die nicht viel Wert auf Bildung legen, so Reuter. Aber auch Kinder, die Opfer von Mobbing geworden oder durch tägliche Misserfolge völlig überfordert sind, gehen oft erst gar nicht mehr zur Schule. Das Alter spielt bei den Schulverweigerern eine eher untergeordnete Rolle. „Sie kommen auch schon aus fünften und sechsten Klassen“, weiß Reuter. Gruppenzwang kann ein weiterer Grund sein. „Man trifft sich zum Beispiel mit falschen Freunden lieber im Computerladen“, so Reuter. „Inzwischen passen die Unternehmen aber schon auf und sprechen junge Leute darauf an“, lobt er.

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Mit dem Ordnungsamt zur Schule

Dass, wie kürzlich in Mönchengladbach geschehen, die Schulverweigerung im Gefängnis endet, ist eher ein Ausnahmefall. Trotzdem – es gibt viele Maßnahmen, die den Schüler notfalls mit Zwang wieder in das Schulleben eingliedern sollen. „Wenn Kinder länger fehlen, informieren die Schulen erst einmal die Eltern“, so Reuter. In manchen Fällen holt sie das Ordnungsamt zu Hause ab und liefert sie in der Schule ab. „Das ist natürlich keine Dauerlösung“, so Reuter. Das Schulamt kann darüber hinaus ein Bußgeld veranlassen - und das kann sehr empfindlich sein. „In einem aktuellen Fall habe ich 1000 Euro Bußgeld angedroht“, berichtet der Schulamtsmitarbeiter aus der Praxis. „Und das pro Elternteil.“ Schülern ab 14 Jahren kann auch selbst ein Bußgeldbescheid ins Haus flattern.

Neben diesen Zwangsmaßnahmen kann das Jugendamt helfen. „Schulverweigerung ist ein Hinweis darauf, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt“, sagt Jugendamtsleiter Thomas Krützberg. Oft seien die entsprechenden Familien bereits beim Amt bekannt und „die Schulverweigerung nur ein Problem von vielen“. Mit sozialpädagogischen Einzel- oder Gruppenmaßnahmen versuchen die Experten, die Kinder und Jugendlichen zu motivieren, wieder zur Schule zu gehen.

(RP)