Duisburg: "Mit Gott für König und Vaterland"

Duisburg: "Mit Gott für König und Vaterland"

Der Historiker Dr. Ludger Heid sprach im Jüdischen Gemeindezentrum über Deutschland und seine jüdischen Soldaten.

Einen Blick in die Geschichte konnte man bei einem Vortrag des Duisburger Historikers und Literaturwissenschaftler Dr. Ludger J. Heid werfen, den er im Rahmen der Duisburger Kriegs-Akzente in der Synagoge am Springwall hielt. Zugleich sprach Heid innerhalb der Woche der Brüderlichkeit. Unter dem Titel "Davidstern und Eisernes Kreuz: Mit Gott für König und Vaterland" zeichnete er die damaligen Hoffnungen eines großen Teils der jüdischen Bevölkerung auf Anerkennung und Emanzipation nach, indem viele dem Patriotismus folgend begeistert für König und Vaterland in den Krieg zogen. Erstmals waren 1813 Juden als Soldaten für das Preußen-Deutschland in den Krieg gezogen, um sich gegen die Besatzung durch Napoleons Truppen zu wehren. Doch innerhalb des Militärs, so Dr. Heid, blieben ihre Chancen auf Beförderung beim Militär gering. So wurde selbst dem Industriellen-Sohn und Politiker Walther Rathenau die Offizierslaufbahn verwehrt.

Im Zuge der Mobilmachung vor dem Ersten Weltkriegs wurde auch von jüdischen Verbänden dazu aufgerufen, sich freiwillig "in den Dienst des Vaterlandes" zu stellen. Vielfach getragen, so Dr. Heid, von einem überspannten Nationalismus und der Hoffnung, dass der Traum der Assimilation Wirklichkeit werden könnte. Der "Hurra-Patriotismus" habe dem allgemeinen Zeitgefühl entsprochen, selbst in den Synagogen sei für den siegreichen Verlauf des Krieges gebetet, in Königsberg 50 Rekruten sogar in der Synagoge vereidigt worden.

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Im Verlauf des Ersten Weltkriegs wandelte sich dieser "trügerische Burgfrieden" (Heid). Der Antisemitismus trat nicht nur an den Stammtischen, sondern auch offen in der Politik zutage. So wurden Gerüchte verbreitet, dass der Anteil von 100.000 deutsch-jüdischen Soldaten nicht dem Anteil der Juden an der Bevölkerung insgesamt entsprechen würde. Durch anonyme Beschwerden ausgelöst, wurde schließlich vom preußischen Kriegsministerium im Jahr 1916 die sogenannte "Judenzählung" veranlasst, um den Anteil deutsch-jüdischer Soldaten an der Front nachzuprüfen, was zu deren Stigmatisierung führte. "Hunderttausend deutsch-jüdische Soldaten waren dadurch desillusioniert", so der Wissenschaftler. Vergeblich habe man damals auf einen Aufstand der Anständigen gewartet.

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse zunächst nicht. Erst später, so Dr. Heid, wurde festgestellt, dass der Anteil der deutsch-jüdischen Soldaten höher war als der anderer Bevölkerungsgruppen. 12.000 deutsch-jüdische Soldaten starben im Kriegseinsatz. Diejenigen, die überlebten und von denen nicht wenige für ihren Einsatz ausgezeichnet worden waren, konnten sich nach 1933 dem "Dank des Reiches" nicht mehr sicher sein. 1935 wurden deutsch-jüdische Männer per Gesetz vom Militärdienst ausgeschlossen. Ihr Einsatz während des Ersten Weltkriegs brachte den Veteranen maximal einen Aufschub der Deportation. "120 Jahre Emanzipationsgeschichte wurden schließlich in Auschwitz zu Grabe getragen", so Dr. Joseph Heid. Heute gibt es in Deutschland vier Kasernen, die den Namen jüdischer Soldaten tragen. Darunter die Ludwig-Frank-Kaserne in Mannheim. Der SPD-Politiker und Rechtsanwalt habe sich wie viele andere vom Fronteinsatz deutsch-jüdischer Soldaten die politische Gleichstellung der deutschen Juden erhofft, so Heid. Frank meldete sich freiwillig und starb im ersten Kriegsmonat an der Front.

(awin)