Duisburg: Mit Christentum nicht vereinbar

Duisburg: Mit Christentum nicht vereinbar

In einem gemeinsamen Schreiben wenden sich hochrangige Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche gegen die rechtsextreme Gruppierung "Pro NRW", die an diesem Wochenende in Duisburg aktiv ist. "Pro NRW" schüre gezielt Vorurteile gegen den Islam.

Gegen die Aktionen von "Pro NRW" haben sich die Evangelische Kirche (Rheinland und Westfalen) sowie die Bistümer Münster und Essen ausgesprochen. Die Kirchenvertreter haben ein gemeinsames Schreiben verabschiedet. Hier der Wortlaut:

"Liebe Schwestern, liebe Brüder in unseren Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen! Mit Sorge haben wir in den vergangenen Monaten wahrgenommen, dass eine kleine Gruppierung mit dem Namen "Pro NRW" versucht, politischen Einfluss zu gewinnen. Diese Gruppierung schürt gezielt Vorurteile gegen den Islam, macht pauschal die Ausländer für die sozialen Probleme in Städten und Stadtteilen verantwortlich und versucht, sowohl die Integrationspolitik als auch das kirchliche Engagement für einen Dialog der Religionen als falsch und gefährlich darzustellen. Die Positionen dieser Gruppierung sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Die evangelische und die katholische Kirche haben sich in der Vergangenheit immer wieder zu einem respektvollen Umgang mit Fremden und einem gleichberechtigten Leben von Muslimen in unserer Gesellschaft bekannt. Dazu gehört auch das Recht, Moscheen zu errichten. In diesem Zusammenhang ist ein Minarettverbot mit unserem Verständnis von Religionsfreiheit nicht vereinbar. Durch Aktionen wie die jährliche "Interkulturelle Woche" oder das Projekt "Weißt du, wer ich bin?" engagieren wir uns für ein friedliches Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten, von Christen und Muslimen. Wir sind vor allem dankbar für die vielen lokalen Projekte, in denen sich christliche Gemeinden und Moscheevereine gemeinsam für Verständigung und Dialog einsetzen und Verantwortung für den Stadtteil übernehmen. Der gemeinsame Einsatz für ein gelingendes Zusammenleben ist das beste Mittel im Kampf gegen Extremismus. Wie wichtig es ist, dass Gläubige unterschiedlicher Religionen friedlich zusammen leben und vor Diskriminierung und gewaltsamen Übergriffen geschützt werden, wird uns gerade in diesen Tagen deutlich, in denen die Gruppierung "Pro NRW" erneut versucht, eine Kampagne gegen unsere muslimischen Nachbarn zu starten.

  • Duisburg : Schwerer Kampf gegen Vorurteile

Vereinnahmung

Die intendierte Vereinnahmung der Christen durch "Pro NRW", die in dem Motto "Abendland in Christenhand" zum Ausdruck kommt, weisen wir auf das Entschiedenste zurück. Daher bitten wir Sie, die Gläubigen unserer Pfarreien und Gemeinden, unsere Pfarrerinnen und Pfarrer, alle Geistlichen sowie die Mitglieder der Presbyterien, der Räte und Gremien, sich an den von unseren Kirchen vor Ort mitgetragenen Veranstaltungen für ein Zusammenleben mit Muslimen und gegen die Aktionen von "Pro NRW" zu beteiligen. Wir bitten Sie auch weiterhin den Kontakt zu den Seite 2 muslimischen Nachbarn zu suchen und für den gegenseitigen Abbau von Vorurteilen einzutreten. Es ist gut "für NRW", wenn wir unsere Religionen mehr und mehr als Inspiration und Kraftquelle entdecken, die uns zum Engagement für das Wohl aller Menschen und zu einem Miteinander in Frieden drängen."

(RP)