RP-Serie Wasserspaß In Duisburg (2): Mit Board und Segel über Wasser halten

RP-Serie Wasserspaß In Duisburg (2) : Mit Board und Segel über Wasser halten

Es ist kalt, windig und regnerisch. Es ist sogar so regnerisch, dass ich bereits kurz nach Ankunft am Vereinsgelände des Windsurfing Club Ruhr halb durchnässt bin. Und es ist sogar so windig, dass mein Lehrer Stefan Born zu mir sagt: "Bei solchem Wetter lassen wir eigentlich nie Anfänger auf das Wasser." Und der Fotograf meint: "Hals und Beinbruch wünsche ich dir." Na toll. Kurz gesagt: Ich habe so richtig Lust...

Doch bereits als es heißt, den Ganzkörper-Neoprenanzug anzuziehen, der keiner Körperform wirklich zu schmeicheln vermag, pumpt das Adrenalin durch meinen Körper und die Weite des Meeres ruft. Nun gut, die Weite des Masurensees vielleicht. Aber die auf jeden Fall.

Mein Crash Kurs, der "eigentlich auch nicht für Anfänger gedacht ist", beginnt mit ein paar Übungen auf hoher See. Also in dem Bereich, in dem meine Füße den glitschigen Algenbelag des Bodens nicht mehr berühren können. Nicht gerade scharf auf weiteren Kontakt mit grünem Algenwuchs, beschließe ich also, es meinem Lehrer nach zu machen, indem ich mich kurzerhand auf dem Board um meine eigene Achse drehe.

Gar nicht so schlecht, wie ich finde. Gleichgewicht halten, das A und O des Windsurfens, klappt ohne Segel ganz gut. Doch bereits das Hochholen des Segels, das übrigens endlich ein "wirkliches Anfängersegel" ist, bereitet mir Schwierigkeiten, denn es ist fast vier Meter lang. Dass die Segel der Profis um Längen höher und deren Bretter um einiges länger sind, erklärt sich ja praktisch von selbst. Dass die Profis nicht nur gerade auf ihrem Board stehen können, sondern damit mit ordentlich Karacho übers Wasser düsen und dabei in die Luft springen, auch.

Aber man muss es ja nicht gleich übertreiben, denke ich, während ich das Seil des Segels krampfhaft umklammere. Linke Hand langsam an den Gabelbaum, also den Haltegriff, das Gewicht etwas in die entgegengesetzte Richtung verlagern, ein kleiner Windstoß — und ich liege im Wasser. Inmitten der Algen. Halb so schlimm, denn nass war ich ja vorher auch schon. Und mein unglaublich attraktiver Anzug schützt mich vor der Kälte.

Geht nicht — gibt's nicht. Also wieder rauf aufs Brett. Beim nächsten Windhauch, der sich anfühlt wie eine orkanartige Böe, falle ich wieder in die kalten Fluten. Da dem Fotograf etwas Abwechslung geboten werden muss, variiere ich und platsche mal kopfüber, mal seitlich und mal hintenüber ins Wasser.

"Von diesen Bildern habe ich schon genug. Bleib doch einfach mal drauf stehen", tönt es amüsiert vom Ufer. Und auch Stefan Born ist mit den Ratschlägen nicht sparsam: "Arme lang, rechts anwinkeln, Gewicht nach links, Segel zu mir, Segel zum Heck..." Heck. Heck. Heck?! Ich, als Kind von der Küste, weiß nicht einmal, ob das jetzt vorne oder hinten ist. Und überhaupt bleibt einem kaum Zeit sich zu orientieren, wenn man genug damit beschäftigt ist, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben.

Doch die Tipps von Stefan zahlen sich aus: Fünf Minuten später segel ich bei mittelkräftigem Wind in Richtung Mitte des Sees. Da ist sogar ein kurzes Winken in Richtung Ufer drin. Eine Wendung, um zurück zum Ufer zu gelangen, allerdings nicht. Doch das macht nichts. Inzwischen weiß ich ziemlich gut, wie man nach einem Sturz wieder aufs Brett krabbelt. Und dann geht es auch schon völlig unverkrampft — ok, kaum verkrampft — zurück ans Ufer. Es erwarten mich zwar keine Beifallsstürme, aber immerhin ein: "War doch gar nicht mal so schlecht."

Immerhin. Bei den Umständen... Im Fernsehen habe ich gelernt, dass Sportler ihre mittelprächtige Leistung immer aufs Wetter schieben: War eben zu kalt. Und zu windig...

Aber Spaß gemacht, hat es trotzdem! Zum einen, weil Stefan ein ziemlich entspannter und geduldiger Typ ist, und zum anderen, weil Windsurfen unglaublich anspruchsvoll und vielseitig ist.

Die Boomzeit der '80er Jahre, in denen gefühlt jeder zweite Deutsche mit einem Board unterm Arm durch die Gegend lief, ist zwar vorbei. Aber der Windsurfing Club Ruhr zählt immerhin 75 Vereinsmitglieder, dessen aktive Mitglieder übrigens größtenteils Frauen sind. Wer am Sport interessiert und nicht gerade ein Weichei ist, kann auf der Seite www.wcr-duisburg.de mehr zum Sport, zum Verein und den Mitgliedsbeiträgen erfahren.

(RP)
Mehr von RP ONLINE