Fälle in Münster 39-Jähriger aus Duisburg wegen Kindesmissbrauchs angeklagt

Duisburg · Im Missbrauchskomplex Münster hat die Polizei 2020 ein deutschlandweites Netzwerk aufgedeckt. Nun muss sich auch ein Mann aus Duisburg vor Gericht verantworten. Der 39-Jährige soll direkten Kontakt zum Haupttäter Adrian V. gehabt haben.

„EK Rose“, der Name der Ermittlungskommission, steht auf Aktenordnern in einem Gerichtssaal im Landgericht Münster.

„EK Rose“, der Name der Ermittlungskommission, steht auf Aktenordnern in einem Gerichtssaal im Landgericht Münster.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Im Zuge der Ermittlungen im Missbrauchsfall Münster hat die Staatsanwaltschaft einen Mann aus Duisburg angeklagt. Dem 39-Jährigen wird vorgeworfen, drei Jungen im Alter von eineinhalb, sieben sowie zehn Jahren sexuelle Gewalt angetan zu haben. Insgesamt umfasse die Anklageschrift 15 Tatvorwürfe über einen Zeitraum von Juli 2019 bis Dezember 2019, teilte die Staatsanwaltschaft Münster am Dienstag mit.

Die beiden jüngeren Kinder stammen aus dem privaten Umfeld des Beschuldigten. Sie sollen jeweils bei sich zuhause im Münsterland missbraucht worden sein. Bei dem dritten Opfer soll es sich um den Ziehsohn des als Haupttäter im Missbrauchskomplex bekannt gewordenen Adrian V. handeln, der 2021 zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden war.

Der Münsteraner hatte nach Überzeugung des Landgerichts Münster den Sohn seiner Lebensgefährtin immer wieder selbst vergewaltigt und ihn anderen Männern für gewaltsame Übergriffe überlassen – so auch dem nun beschuldigten Mann aus Duisburg. Die beiden sollen sich über das Internet kennengelernt und schließlich zum Missbrauch des Ziehsohns sowohl in der Wohnung des Beschuldigten im Ruhrgebiet als auch bei einem Wochenendaufenthalt im November 2019 in Winterberg im Sauerland verabredet haben.

Die Fahnder waren dem Beschuldigten bei der Auswertung sichergestellter Datenträger eines weiteren, inzwischen rechtskräftig verurteilten Mannes aus Aachen auf die Spur gekommen, der ebenfalls zum Kreis der Täter rund um Adrian V. gehört. Als der Duisburger ins Visier der Ermittler geriet, saß er bereits in Haft: Ebenfalls wegen Kindesmissbrauchs war er bereits im Januar 2020 festgenommen und im Juni 2020 zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zu den neuen Vorwürfen schweigt der Beschuldigte.

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Der Fall kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben.

(atrei/dpa)
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