Duisburg Minimal Music vereint mit Post-Rock
Duisburg · Der Duisburger Pianist und Dozent Kai Schumacher gibt mit einer Band und einem Streichquartett der Duisburger Philharmoniker ein Konzert in der Mercator-Halle, das alte und neue Wege zugleich geht.
"Beauty in Simplicity" - das Schöne in der Einfachheit: So lautet der Titel eines besonderen Konzerts, das am 15. Juni in der Mercatorhalle aufgeführt wird. Die Akteure: Der Duisburger Folkwang-Dozent Kai Schumacher, ein Streichquartett der Duisburger Philharmoniker, die Post-Rockband Kokomo, das Bewegt-Bild-Kollektiv "Warped Type" und - nicht zu vergessen - ein Techniker, der das alles möglichst perfekt zu Gehör bringen soll, denn eine Post-Rockband und ein Streichquartett bilden bei Live-Konzerten nicht gerade eine natürlich gewachsene Symbiose. Aber das ist nur der technische Teil einer Herausforderung, der sich die Beteiligten stellen.
Ein zentrales Element des Konzerts ist die "minimal Music" aus der Feder von Philip Glass. Diese Musikrichtung verstand sich als Antwort auf die komplexen und bis ins Detail durchkomponierten Werke zeitgenössischer europäischer Musik im Amerika der 1960er und -70er Jahre. "Eine Antwort der Avantgarde auf die sehr intellektuellen Kompositionen der Avantgarde in Westeuropa", erklärt Kai Schumacher. Diese Art der Musik fand im Lauf der Zeit ihren Weg in die Popkultur, vor allem in der Techno-Musik. "Ich möchte mit diesem Projekt nun die rockige Seite dieser Musikrichtung zeigen."
Dazu suchte er mit "Kokomo" eine Formation aus, die sich als Instrumentalband bereits einen Namen gemacht hat und deren Kompositionen aus dem Album "Monochrome Noise Love" ebenfalls Teil des Konzerts sein werden.
Damit's nicht so einfach wird, hat Kai Schumacher allerdings diese Stücke noch einmal neu arrangiert, um das Streichquartett der Duisburger Philharmoniker einzubinden. René Schwenk (Kokomo): "Das ist für uns eine ziemliche Herausforderung."
Angefangen hat ihre Auseinandersetzung mit Minimal-Music schon vor einigen Jahren, wie er erzählt: "Eine befreundete Band hatte den Soundtrack von Philip Glass zum Film ,Koyaanisquatsi' umgeschrieben. Einige Zeit später habe ich im Radio den Soundtrack von Glass zum Film ,Dracula' gehört und war fasziniert." Während einer Tournee, die Kokomo auch nach Rumänien führte, saßen die Musiker im Band-Bus, fuhren durch Transsilvanien und hörte sich den Soundtrack gemeinsam an. "Das fanden wir cool."
Duplizität der Ereignisse: Wenig später rief Kai Schumacher an und schlug ihnen ein gemeinsames Projekt vor, das nun in die Realisierung geht. "Ich wollte das immer schon einmal machen, um klassische Streicher, Post-Rock und Klavier miteinander zu verbinden. Philip Glass' Musik eignet sich dazu sehr gut." Unter anderem deshalb, weil sie sich schon allein durch die Verwendung anderer Instrumente zu verändern scheint. "Mozart bleibt Mozart, aber die Musik von Philip Glass wandelt sich."
Ein Projekt mit verschreibungspflichtigen Nebenwirkungen: Muffensausen. Denn Kokomo besteht aus ungelernten Musikern, die sich im Gegensatz zu den gelernten Philharmonikern quasi jede Note des neuen Arrangements erarbeiten mussten. "Wir mussten uns plötzlich ganz neu in unserer eigenen Musik orientieren."
Seit dem Winter bereiten sich die drei Gitarristen, Bassist und Schlagzeuger auf den Auftritt am 15. Juni vor. Parallel machte sich in Düsseldorf das Bewegtbild-Kollektiv "Warped Type" an eine punktgenaue visuelle Umsetzung, die das Konzert in der Mercatorhalle für die Besucher noch einmal zu einem besonderen Erlebnis machen wird.
Aufregung und Anspannung also auf dieser Seite, Gelassenheit, aber auch Vorfreude auf der Seite des Streichquartetts: denn statt gewohnter Reproduktion des Notenmaterials ist hier Raum für Entfaltung. Friedemann Hecker: "Notenmaterial macht unseren Part natürlich einfacher. Es lässt normalerweise wenig Raum für eine eigene Interpretation. Das ist bei diesem Konzert nun ganz anders."
Gespannt sind alle Protagonisten auf die Reaktion des Duisburger Publikums, das sich auf einen dramaturgisch arrangierten Abend freuen kann, der sowohl einen herausfordernden "Wall of Sound" , dazwischen aber auch immer Ruhepunkte bieten wird, verspricht Kai Schumacher.