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Duisburg: Metalldiebstahl trotz Vorwarnung

Duisburg : Metalldiebstahl trotz Vorwarnung

Wegen eines Großeinsatzes konnte die Polizei dem Hinweis einer Hambornerin nicht nachgehen. Das Ergebnis: zwei gestohlene Regenrinnen. Die Diebe verkaufen ihre Waren längst jenseits der Landesgrenzen.

Eine Anwohnerin der Fürst-Pückler-Straße in Hamborn macht am Montagabend eine verdächtige Beobachtung: Zwei junge, südosteuropäisch anmutende Frauen fotografieren die Häuser an ihrer Straße. Von der resoluten Bewohnerin des Viertels angesprochen, erklärte einer der Frauen, sie fotografierten lediglich die schönen Blumen. Als die aufmerksame Dame daraufhin misstrauisch wurde, rief sie umgehend die Polizei. Die Beamten entgegneten, sie würden gern kommen, könnten aber nicht.

Erst habe es einen Einsatz an der Forensik in Hohenbudberg gegeben, dann seien zahlreiche Einsatzkräfte durch einen Großeinsatz am "Problemhaus" In den Peschen in Rheinhausen gebunden. Man müsse daher nach Priorität ausrücken. Dem Vernehmen nach soll der Eigentümer des Hauses In den Peschen beim Abkassieren der Miete in bar Schwierigkeiten bekommen haben. Zeugen berichten von einer Rangelei mit seinen Security-Kräften. Als die Polizei dort eintraf, um die Gemüter zu beruhigen, war der Spuk bereits wieder vorbei.

In den beiden darauffolgenden Nächten wurden eine Regenrinne aus Kupfer und eine Regenrinne samt Fallrohr aus der Fürst-Pückler-Straße gestohlen — an den Häusern, an denen die beiden Frauen zuvor ihre Fotos gemacht hatten. Nun kam die Polizei doch nach Hamborn — um die Diebstähle aufzunehmen. "Man fühlt sich als Bürger von der Polizei nicht mehr ernst genommen. Wir bekommen immer gesagt, wir sollen aufmerksam sein — aber wenn wir es dann sind, kommen die Beamten einfach nicht", klagt die Anwohnerin.

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"Natürlich reagieren wir auf Hinweise aus der Bevölkerung", versicherte Polizeisprecher Ramon van der Maat gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post. "Wir wären auch diesem Hinweis nachgegangen. Das war nur wegen der hohen Einsatzbelastung zu diesem Zeitpunkt nicht möglich." Die Geschichte, die sich am Montagabend so zugetragen hat, stehe exemplarisch für das Vorgehen organisierter südosteuropäischer Banden, die sich auf Metalldiebstähle spezialisiert haben.

Wo sie die gestohlenen Waren loswerden, ist für die Polizei oft nur schwer oder überhaupt nicht zu ermitteln. "Die Schrotthändler in der Umgebung sind für das Problem schon sensibilisiert", so van der Maat. "Wenn da beispielsweise jemand mit einer Lkw-Ladung Gullideckel ankommt, werden wir sofort angerufen."

Die Banden seien aber mittlerweile so gut organisiert, dass sie problemlos auf Schrottplätze in den Niederlanden ausweichen könnten. "Da gibt es dann auch schwarze Schafe, die sich nicht dafür interessieren, wo der Schrott eigentlich herkommt", erklärte der Polizeisprecher.

Wie viele Metalldiebstähle es in letzter Zeit gegeben hat, darüber liegen der Polizei keine Informationen vor. "Da gibt es Nachbesserungsbedarf für das Landeskriminalamt", sagte van der Maat. "Metallklau hat keine eigene Kennnummer und fällt daher unter normalen Diebstahl. Für uns ist also nicht erkennbar, bei wie vielen Delikten es sich um Metalldiebstahl im engeren Sinne gehandelt hat." Sicher sei nur, dass die Anzahl der durch Bandenkriminalität bedingten Metalldiebstähle in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe. Mittlerweile gebe es ein bis zwei Einsätze pro Woche, die unmittelbar mit dem Diebstahl von Metall zu tun hätten. Ob das viel sei, könne er nicht sagen. Zum Vergleich: In Duisburg gebe es mehr als 2800 Wohnungseinbrüche pro Jahr.

(RP)