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Duisburg: Mercatorhalle - ein Duisburger Debakel

Duisburg : Mercatorhalle - ein Duisburger Debakel

Von Beginn an stand das Duisburger Veranstaltungszentrum unter einem schlechten Stern. Woche für Woche traten mehr Mängel am Vorzeigebau zutage. Mittlerweile mussten beide Säle geschlossen werden – vorerst bis 2014.

Bei der Eröffnung von Duisburgs Spielcasino im CityPalais vor fünf Jahren brannten die Betreiber ein Indoor-Feuerwerk ab. Als zwei Monate später auch das städtische Veranstaltungszentrum unter demselben Dach, die Mercatorhalle, in Betrieb genommen wurde, trieben Rauchmelder die Festgäste vorübergehend ins Freie – zum Glück war es nur ein Fehlalarm.

Mit dem heutigen Wissen wird den Festgästen von damals wohl noch nachträglich ein Schauer über den Rücken laufen. Denn der Brandschutz in der Mercatorhalle und ihren Nebenräumen ist so mangelhaft, dass der Veranstaltungsbereich frühestens im Sommer übernächsten Jahres wieder komplett genutzt werden kann. Bis dahin wird nachgebessert.

Die Eröffnung der Mercatorhalle stand unter großem Zeitdruck. Ohne Ersatz zu haben, hatte die Stadt unter der damaligen Führung der SPD-Oberbürgermeisterin Bärbel Zieling die alte sanierungsbedürftige Halle geschlossen und zum Abriss freigegeben. Mit ihrer Ablösung durch Adolf Sauerland, CDU, begannen 2004 die Planungen für das CityPalais mitten in der Innenstadt. Um die erteilte Konzession für das Casino nicht verfallen zu lassen, war größte Eile geboten. Im Februar 2007 öffnete der Spielbankbetrieb, zwei Monate später konnten die Duisburger dann auch durch die beiden Säle der Mercatorhalle und durch das dazugehörende Tagungszentrum schlendern.

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Doch viel Vergnügen hatten die Duisburger mit ihrer guten Stube seitdem kaum. Gleich beim ersten symphonischen Konzert im Großen Saal beklagten Besucher die Steilheit des Rangs und fehlende Handläufe an den Treppenauf- und -abgängen. Dass sie zudem wegen Mängeln an der Lüftungsanlage riechen mussten, was in den Restaurants im Citypalais gebrutzelt wurde, war da ein kleineres Übel.

Woche um Woche wurde die Mängelliste länger. Das sei normal bei einem Projekt dieser Größenordung – 40 Millionen Euro, hieß es. Nicht mehr normal war allerdings, dass – 2011 entdeckt – die Stufen im Rang unterschiedlich hoch und breit waren. Das hätte dem Mitarbeiter der Stadt, der für den Bau verantwortlich war, bei der Abnahme der Gewerke eigentlich auffallen müssen. Doch was damals noch keiner wusste, allenfalls ahnte: Der bis dahin so geschätzte Mann soll korrupt gewesen sein. Er steht im Fokus staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, längst ist ihm fristlos gekündigt worden. Die Rede ist von erheblicher krimineller Energie, die er und weitere Beteiligte an den Tag gelegt haben sollen. Bislang gibt es allenfalls Vermutungen, dass zwischen den Beteiligten fürs Wegsehen Geld geflossen ist. Die Ermittlungen der Justiz sind noch lange nicht abgeschlossen, doch an einer Anklageerhebung besteht kein Zweifel.

Im Zuge einer routinemäßigen baulichen Untersuchung in den Gängen rund um den Großen Saal waren im Sommer die Deckenverkleidungen geöffnet worden. Was sich dahinter zeigte, schockierte die Experten derart, dass Oberbürgermeister Sören Link (SPD) die sofortige Schließung des Mercatorhallen-Komplexes bis zum Abschluss der Untersuchungen anordnete. Denn es fanden sich jede Menge Stromkabel, die gar nicht oder falsch oder nicht fachgemäß isoliert waren. Brandschutzwände aus einem Material, das Feuer nicht lange standgehalten hätte, wurden entdeckt und Rauchmelder, bei denen nicht einmal die Schutzkappen abgezogen worden waren.

Diese und andere Schlampereien kamen nach und nach ans Tageslicht. Die Hoffnung der Stadt, dass zumindest in den Sälen alles im grünen Bereich sein könnte, zerschlugen sich im November. Für den von der Gebäude-Eigentümerin, der Hannover Leasing, eingesetzten Brandschutz-Gutachter waren die Mängel im Kleinen Saal so groß, dass er von einer Wiederöffnung abriet. Auch dort waren in einem Spalt zwischen Wand und Verkleidung falsch verlegte und isolierte Kabel gefunden worden, von denen ein Brand hätte ausgehen können.

Bei der folgenden Begutachtung des Großen Saals traten weitere Mängel in einem Umfang zutage, dass der Raum mindestens bis zum Sommer 2014 geschlossen bleiben muss. So lange werden die Nacharbeiten in Anspruch nehmen, ohne dass geklärt ist, wer für die Kosten aufkommen muss. Die Stadt will von den Firmen, die diesen Pfusch verursacht haben, Schadenersatz in noch nicht ermittelter Höhe bekommen. Auch ihren ehemaligen Mitarbeiter will sie in die Pflicht nehmen. Doch dass bei ihm etwas zu holen ist, wird bezweifelt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Mercatorhalle - vom Bau bis zur Schließung

(RP/top/jco)