Duisburg: Mercator-Porträt sanft konserviert

Duisburg : Mercator-Porträt sanft konserviert

Einige hundert Stunden restaurierte ein Fachmann aus Ascheberg die Gedenktafel des berühmten Wahl-Duisburgers. Am Sonntag wird das Epitaph nach dem Gottesdienst in der Salvatorkirche vorgestellt.

Das größte Kompliment, das man heutzutage einem Restaurator machen kann, hört sich in den Ohren des Laien wie ein Tadel an: "Man sieht ja kaum, dass etwas gemacht wurde!" Dr. Christoph Hellbrügge hat in den vergangenen Wochen hunderte Stunden am Epitaph (Gedenktafel) für Gerhard Mercator gearbeitet, das in der Südkapelle der Salvatorkirche hing und dort bis Sonntag auch wieder aufgehängt werden soll.

Während so mancher Laie hofft, dass ein altes Wertstück nach der Restaurierung wieder "wie neu" aussieht, haben Restauratoren andere Ansprüche: Sie wollen eher konservieren als erneuern. Die Spuren des Alters sollen nicht kaschiert werden. Man soll also sehen, dass beispielsweise das Mercator-Epitaph Jahrhunderte alt ist. Genau das hat Christoph Hellbrügge geleistet. Allerdings ging er nicht so weit, offensichtliche Mängel, die das ästhetische Empfinden der Betrachter stören, zu ignorieren.

So hat er beispielsweise eine fehlende Fingerkuppe aus dem Mercator-Porträt so ergänzt, dass dies mit bloßem Auge nicht erkennbar ist (wohl unter einem Röntgenapparat). Auch retuschierte er an einigen Stellen die ausführliche lateinische Inschrift, die das Leben Mercators (1512 bis 1594) zusammenfasst.

Die Hauptaufgabe des Restaurators bestand darin, das Epitaph zu stabilisieren. Das war wohl sehr nötig. Die Halterung war marode, einige Befestigungen mussten neu gesetzt werden. Die gesamte Gedenktafel musste gründlich gereinigt werden, ohne das die Substanz dabei verletzt wurde. Oberstes Ziel der gesamten Restaurierung sei es gewesen, die Gedenktafel vor weiterem Verfall zu bewahren.

Mit Christoph Hellbrügge wurde ein anerkannter Experte für diese Art der Restaurierungen gewonnen. Hellbrügge hatte zunächst eine Maurerlehre absolviert, studierte dann Kunstgeschichte, arbeitete in einem Denkmalamt, absolvierte eine Restauratorlehre und schrieb eine Doktorarbeit über Grundfragen des modernen Restaurierens (konservieren statt neu machen). Bereits 1987 machte er sich selbstständig und beschäftigt mittlerweile sogar einige Mitarbeiter.

An der Arbeit mit dem Mercator-Epitaph faszinierte ihn besonders das Porträt, das den Gelehrten mit typischen Kartografie-Instrumenten, vor allem aber mit individuellen Gesichtszügen zeigt. Ungewöhnlich ist, dass sich der Künstler dazu entschloss, Gerhard Mercator als sichtlich entkräfteten alten Mann und nicht etwa in der Blüte seiner Jahre dazustellen.

Wenn man genau hinschaut, kann man in dem Gesicht sogar Anzeichen für einen kaum überstandenen Schlaganfall erkennen. Nach der aufwendigen Beschäftigung mit dem Epitaph kann Christoph Hellbrügge die im Internet oder sonstwo kursierenden Angaben zu der Gedenktafel machen.

So ist die Basis des Flachreliefs nicht Schiefer, wie bisher angenommen wurde, sondern belgischer Kalkstein, der wie Schiefer aussieht. Nach der behutsamen Restaurierung ist auch die lateinische Inschrift wieder gut zu lesen, deren Übersetzung vorliegt. Am Ende der Inschrift, bereits auf dem Sockel, wird der Leser der Inschrift direkt angesprochen. Da heißt es übersetzt: "Wer du auch bist, du fürchtest grundlos, dass für den hier bestatteten MERCATOR dies so kleine Stückchen Erde schwer sei, die ganze Erde ist dem Manne leicht, der die Lasten insgesamt - was es irgendwo an Ländern gibt - auf seinen Schultern als ATLAS getragen hat."

Im Sonntagsgottesdienst am 17. Juni (Beginn 10 Uhr) wird Pfarrer Martin Winterberg das restaurierte Mercator-Epitaph vorstellen. Unmittelbar nach dem Gottesdienst wird Dr. Christoph Hellbrügge die Gedenktafel und seine Restaurierung erläutern. Anschließend wird Dr. Gernot Tromnau, der langjährige Direktor des Kultur- und Stadthistorischen Museums und Vorsitzender der Duisburger Mercator-Gesellschaft, über Mercator sprechen. Das alles wird nicht allzu lang dauern, da um 12 Uhr in der Salvatorkirche das Orgelfestival Ruhr eröffnet wird.

Die Mercator-Stiftung (Geschäftssitz Essen) finanzierte mit 20.000 Euro die Restaurierung der Mercator-Gedenktafel. Die hängt neben der Gedenktafel zu Johannes Clauberg, dem Gründungsdirektor der Alten Duisburger Universität. Clauberg hatte übrigens eine Enkelin Gerhard Mercators geheiratet.

(pk)
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